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ND28.11.2008Auf dem Weg zum Elitestudium
Von Peter Nowak
Eine Überraschung war das Ergebnis der jüngsten Bachelorbefragung an der Berliner Freien Universität (FU) nicht. Erstaunlich war nur die völlig unterschiedliche Bewertung der Ergebnisse. Während die Pressesprecherin der FU davon spricht, dass die Zufriedenheit der FU-Kommilitonen gewachsen ist, sieht sich der AStA in seiner Kritik an der Einführung des Bachelorstudiums bestätigt. In der Tat ist es bedenklich, wenn rund drei Viertel der Studierenden über hohen Leistungsdruck klagen und rund die Hälfte der Studierenden angibt, Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Studium und Erwerbstätigkeit zu haben. Bedenklich ist auch der laut Befragung geringe Anteil von Studierenden aus Arbeiterfamilien sowie die im Bundesvergleich hohe Quote von Kommilitonen aus Akademikerfamilien. Die FU droht damit zu einer Elitenschmiede zu verkommen.
Allerdings muss man sich fragen, ob nicht gerade in der Herausbildung einer solchen Elite der Sinn des Bachelorstudiums liegt. Die Einführung ist unter dieser Prämisse auch keineswegs gescheitert, sondern erfüllt ihren Zweck. Wenn Professoren schon in den überfüllten Einführungsvorlesungen erklären, spätestens nach dem Grundstudium werde mehr als die Hälfte der Anwesenden durchgefallen und wieder Platz in den Hörsälen sein und wenn sie dafür von studentischer Seite auch noch Applaus bekommen, zeigt sich, dass die Studienreform sehr wohl auf Zustimmung bei der Masse der Studentinnen und Studenten stößt. Der Verweis auf die Berechtigung ihrer Kritik an der Einführung der Bachelorstudiengänge stärkt deshalb noch lange nicht die linken Hochschulgruppen.
Dass der Schritt von der Anpassung zum Widerstand manchmal kurz sein kann, zeigen die jüngsten Proteste an den italienischen Hochschulen. Die Frage nach einer Bildung für alle oder für eine Elite stellt sich dort ganz praktisch auf der Straße. An deutschen Hochschulen ist allem Bachelorfrust zum Trotz von italienischen Verhältnissen allerdings nichts zu spüren.