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ND14.07.2008Mit Drohnen auf Verfolgungsjagd
Fliegende Überwachungskameras sind international bereits Praxis
Von Peter Nowak
Schweben in naher Zukunft »fliegende Augen« über unseren Köpfen? Während in Deutschland noch über den Einsatz von sogenannten Überwachungsdrohnen gestritten wird, sind sie in vielen anderen Ländern bereits im Einsatz.
Die Kameraüberwachung öffentlicher Plätze und ganzer Stadtviertel wird in den nächsten Jahren noch zunehmen. Das ist das Resümee einer Veranstaltung an der Berliner Humboldtuniversität. Dort haben der Politikwissenschaftler Volker Eick und der Sozialaktivist und kritische Polizeibeobachter Matthias Monroy kürzlich über neue Überwachungstrends informiert. Im Internet werden fliegende Kameras, sogenannte Drohnen, als letzter Schrei der Überwachungstechnik angepriesen.
Monroy hat sich auf den in- und ausländischen Webseiten kundig gemacht. In mehreren europäischen Ländern, aber auch in den USA sind Drohnen schon häufiger im Einsatz gewesen. In Amsterdam haben sie der Polizei bei einer Häuserräumung Informationen geliefert. In Mailand werden damit soziale Brennpunkte überwacht. In der Schweiz werden sie zur Überwachung der grünen Grenzen im Tessin eingesetzt. Dabei sei es schon gelungen, durch die Drohnen aufgespürte Grenzgänger festzunehmen, berichtet die zuständige Polizei. Auch bei der vor Kurzem zu Ende gegangenen Fußball-Europameister dienten in mehreren Schweizer Städten Drohnen zur Kontrolle der Fußballfans und Beobachtung möglicher Störer.
Auch deutsche Politiker wollen die neue Überwachungstechnologie nutzen. Vorreiter ist dabei das Bundesland Sachsen. Dort hat Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) vor einigen Monaten die Anschaffung der bundesweit ersten Drohne angeordnet. Das 650 000 Euro teuere Gerät soll nach dem Willen des Politikers der Polizei Luftbilder von Fußballspielen liefern. Große Sportevents spielten in der Vergangenheit eine Vorreiterrolle für die Einführung neuer Überwachungsmethoden, betonte Eick.
Doch obwohl sich Buttolo schon vor Monaten zufrieden lachend im Kreise von hohen Landespolizeibeamten mit einer Drohne in der Hand fotografieren ließ, sind diese Geräte in Deutschland bisher noch nicht zum Einsatz gekommen. Dafür sind rechtliche Probleme, beispielsweise im Bereich des Datenschutzes, verantwortlich. Dass der Einsatz der Drohnen damit verhindert wird, halten die beiden Experten eher für unwahrscheinlich. Zumal sich in den nächsten Wochen bei der Olympiade in China ein neues Einsatzgebiet für die Erprobung der modernsten Überwachungstechnik ergibt. Gesetzliche Hindernisse sind dabei zur Freude der internationalen Sicherheitsfirmen nicht zu erwarten.