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ND02.07.2008Statt Feier Hoffen auf Wowereit
Kompromiss zum alternativen Projekt Brunnenstraße 183 droht zu scheitern
Von Peter Nowak
Eigentlich wollten die Bewohner der Brunnenstraße 183 feiern. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit Investoren hatten sie unter Mitwirkung des Bezirks Mitte mit dem jetzigen Eigentümer, dem Passauer Arzt Manfred Kronawitter, einen Kompromiss erzielt. Demnach sollte das Haus an einen von den Bewohnern gebildeten Verein übertragen werden. Kronawitter sollte im Gegenzug mit einem Ersatzgrundstück in der Ackerstraße entschädigt werden. Doch für dieses ist der Liegenschaftsfonds zuständig, der dem Finanzsenator untersteht. Thilo Sarrazin (SPD) widersetzte sich. Zwar gehe es nicht darum, einen Kompromiss zu verhindern, doch das Grundstück in der Ackerstraße stehe definitiv nicht zur Verfügung. »Es ist für eine anderweitige Nutzung vorgesehen«, erklärt Sarrazins Sprecherin Kristina Tschenett. Darüber hinaus sieht der Finanzsenator es nicht als seine Aufgabe, zwischen Eigentümern und Bewohnern zu vermitteln.
Für die Bewohner des Hauses ein Affront. Hatten sie doch durch Öffentlichkeitsarbeit erreicht, dass sich viele Politiker des Bezirks für den Kompromiss stark gemacht haben. Zu ihnen gehört auch Markus Pauzenberger, der für die SPD im Abgeordnetenhaus sitzt. »Hier gab es die einmalige Chance, zwei absolut unterstützenswerte Projekte im Bezirk voranzutreiben«, betont der SPD-Politiker. Dazu gehören der in der Brunnenstraße 183 beheimatete Umsonstladen und das von Manfred Kronawitter geplante Mehrgenerationenhaus. Der erzielte Kompromiss diene zudem dem sozialen Frieden im Bezirk.
Wegen eines Einsatzes mit 600 Polizisten in dem Projekt stand der Polizeipräsident 2007 in der Kritik. Die Bewohner des Hauses seien friedlich und kompromissbereit, so Pauzenberger. Auch ohne Grundstücktausch werde weiter nach Lösungen gesucht werden. Jedoch könnten die Räumungsklagen des Hausbesitzers die Existenz des alternativen Projekts bedrohen. Als Retter käme Klaus Wowereit (SPD) in Frage: Der Regierende Bürgermeister hatte vor zwei Jahren bei einem Besuch Unterstützung für den Umsonstladen zugesagt.