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ND31.03.2008E 10 als Flop
Biosprit bringt Ärger für Autos und Wälder
Von Peter Nowak
Die Bundesregierung präsentiert sich gerne als Musterschüler in Sachen Umweltschutz. Diesem Image soll auch der ehrgeizige Plan dienen, bis zum Jahr 2009 den Bioanteil beim Kraftstoff für Autos um zehn Prozent zu steigern. Doch gegen dieses mit dem Etikett E10 versehene Projekt macht zur Zeit eine ungewöhnliche Koalition aus ADAC und Umweltgruppen mobil. Wenn die Interessen des heterogenen Zweckbündnisses auch völlig unterschiedlich sind, so sind ihre Einwände deswegen nicht falsch.
Der ADAC schlägt Alarm, weil bis zu 2,5 Millionen Automotoren den Biokraftstoff nicht vertragen würden. Vor allem ältere Wagen wären davon betroffen. Wenn man auch die hohen Zahlen des ADAC hinterfragen sollte, bleibt nach Angaben der Industrie eine erkleckliche Anzahl inkompatibler Motoren.
Grundsätzliche Kritik an der Verwendung von Biosprit äußerte der direkt beim Bundeslandwirtschaftsministerium angesiedelte Wissenschaftliche Beirat Agrarpolitik. In einem ca. 200 Seiten umfassenden Gutachten werden die Umweltpotenziale der Bioenergie im Vergleich mit der Solarenergie als relativ gering bezeichnet. Und für die Menschen des globalen Südens könnte der Boom des Biosprits sogar fatale Folgen haben. Denn der Anbau von Soja, Mais etc. für Kraftstoff tritt bei knapper werdenden Ackerflächen in direkte Konkurrenz zur Nahrungsproduktion. Ein Ergebnis sind steigende Preise, ein anderes die Vertreibung kleiner Bauern in Urwaldregionen, die in Ackerland verwandelt werden. Die steigenden Getreidepreise machen inzwischen mancherorts das tägliche Brot zum Luxus und die Waldrodung ruiniert die vermeintlich grüne Bilanz des Biosprits vollends.
Der Widerstand des ADAC könnte sich da als Glücksfall erweisen. Denn anders als die Zivilgesellschaft des globalen Südens dürfte sich die Autofahrerlobby bei der Bundesregierung Gehör verschaffen und ein Überdenken der »Roadmap Biokraftstoffe« auslösen.