[Index] [Nowak] [2006] [2007] [2008]

MieterEcho 329/August 2008Wie lange noch ein Park für alle?
Die Zukunft des Berliner Mauerparks hängt von der Entwicklung der umliegenden Stadtteile ab
Peter Nowak
Hoch ging es her bei einer Podiumsdiskussion zwischen Politikern und Anwohnern Ende Juni im Gleimviertel. Debattiert wurde wieder einmal über die Zukunft des Berliner Mauerparks zwischen den Stadtteilen Wedding, Mitte und Prenzlauer Berg.
Wenn sich manche Berliner Stadtplaner und Politiker kurz nach der Wende durchgesetzt hätten, würde es den Mauerpark gar nicht geben. Für dieses Gebiet war eine Autobahntangente nach Norden zum Berliner Ring vorgesehen, doch die Planer hatten die Rechnung ohne die Bewohner/innen gemacht. Aus den alten Wohnbezirksausschüssen (WBA) der DDR, die schon in den späten 80er Jahren manchen Kahlschlag verhindert hatten, wurden nach Mauerfall handlungsfähige Initiativen, die sich in das Geschehen ihrer Umgebung einmischten.
Anwohner/innen erschaffen Park
Bekannt wurde der WBA Oderbergerstraße, der in den frühen 90er Jahren mit der Kampagne „Wir bleiben alle“ große Mieterproteste organisierte. Davor aber hatte er – weniger spektakulär, aber umso nachhaltiger – gemeinsam mit dem Bewohner/innen rund um den Gleimtunnel das Konzept Mauerpark nicht nur theoretisch entwickelt, sondern mit den Bepflanzungen begonnen. Die Senatsverwaltung hatte bald erkannt, dass es für weitere Autobahnzubringer weder Geld noch gesellschaftliche Akzeptanz gab. Schnell wurde der Mauerpark als Bestandteil der Sportflächen rund um das Jahnstation in das Konzept der Berliner Olympiabewerbung integriert. So blieb von dem gescheiterten Olympiaprojekt des Senats nicht nur die Max-Schmeling-Halle neben dem Jahnstadion, sondern auch die grüne Fläche, die ab Mitte der 90er Jahre als Mauerpark zunehmend Bedeutung bekam.
Damals wurde der Mauerpark von Berliner Trendmagazinen wie Tip und Zitty als angesagter Berliner Ort entdeckt, den man kennen müsse. Das hatte sich auch bald bei den zahlreichen Berlin-Touristen herumgesprochen. Dieser Trend ging zwar vorüber, was viele Anwohner/innen rund um das Gelände begrüßten, aber es wurde schnell deutlich, dass der Mauerpark mit Wedding, Prenzlauer Berg und Mitte an drei denkbar unterschiedliche Stadtteile grenzte. Die in Prenzlauer Berg und Mitte lebenden Menschen entdeckten den Mauerpark als ihr Freizeit-, Sport- und Erholungsgelände. Die migrantisch geprägte Bevölkerung vom Wedding blieb in der Regel nur Zaungast. So sind es überwiegend Bewohner/innen aus Mitte und Prenzlauer Berg, die sich bei der Diskussion um die Zukunft des Mauerparks zu Wort melden. Zurzeit geht es nämlich um die künftige Größe des Geländes. Aktuell erstreckt sich der Mauerpark auf einer Fläche von acht Hektar. Nach den Auflagen der Allianz-Umweltstiftung, die den Park mitfinanziert, muss er bis 2010 eine Größe von zehn Hektar haben. Wegen der fehlenden zwei Hektar könnten sonst für das Land Berlin Rückzahlungsforderungen von zwei Millionen Euro drohen. Allerdings muss auch der Kaufpreis für die zur Erweitung benötigten Grundstücke aufgebracht werden. Diese gehören mittlerweile der österreichischen Immo AG. Der Senat geht von einem Kaufpreis von neun Millionen, der Politiker der Grünen Andreas Otto von fünf bis sechs Millionen aus. Auch das ist viel Geld für das notorisch klamme Berlin. Schon werden verschiedene Finanzierungsmodelle geprüft.
Eine neue Mauer?
So will der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), am westlichen Rand des Parks den Bau von Stadtvillen genehmigen. Dafür würde der Eigentümer die zwei Hektar Restfläche für den Park kostenlos zur Verfügung stellen. Zwischen den Villen soll es Durchgänge zum Park geben. Doch viele Anwohner/innen sind skeptisch. Auf der Diskussionsveranstaltung Ende Juni wurde die Befürchtung laut, dass eine neue trennende Mauer um den Park entstehen könne. Heiner Funken vom Bürgerverein Mauerpark hält es für sinnvoller, Baumreihen zu pflanzen. Viel Grün, so schnell wie möglich, und stufenweise Fertigstellung des Parks wünscht sich auch Bodo Schliefke vom Verein „Freunde des Mauerparks e.V.“: „Es sollen keine Gebäude aus dem Zwang angeblicher Berliner Geldnot heraus, ob für den Grundstückserwerb oder die Parkanlagenpflege, errichtet werden“, betont Schliefke gegenüber dem MieterEcho. Und er hat einen weiteren gewichtigen Einwand gegen den Bau von Villen, Stadthäusern und Eigentumswohnungen rund um das Areal: „Der Mauerpark hebt sich durch seine einzigartige Gestaltung mit großzügigen Freiflächen von anderen Berliner Parks ab. Deshalb wird er viel von Jugendlichen und darüber hinaus auch des Nachts besucht. Musik und Trommeln beherrschen das Parkgeschehen. Konflikte zwischen den Anwohner/innen, die ihrerseits zu Recht auf die ihnen zustehende Wohnruhe pochen und diese letztendlich auch mit Polizeigewalt durchsetzen würden, und den Mauerpark-Besuchern wären demzufolge vorprogrammiert.
Tatsächlich würden die Bürgervillen die Aufwertung der Umgebung um den Mauerpark beschleunigen. Die fast bezugsfertigen Nobellofts im Marthashof in der Schwedter Straße sind ebenfalls auf vermögende Bewohner ausgelegt. Wie lange könnte unter diesen Umständen der Mauerpark noch, so wie wir ihn jetzt kennen, Bestand haben?
Weitere Infos unter www.mauerpark.info