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ND04.07.2008Pioniere des Video- Aktivismus
Von Peter Nowak
Mit der 25. Folge des Videomagazins ak-kraak knüpfen die Filmemacher an alte Zeiten an.
Zwei Frauen sitzen an einem menschenleeren Strand und blicken aufs Meer. Plötzlich springt ein junger Mann ins Bild und setzt sich dazu. Nach knapp 80 Minuten hat sich der Strand gefüllt und die 25. Folge des ak-kraak-Videomagazins ist zu Ende. Zweieinhalb Jahre vergingen seit der letzten Nummer.
Die Strandszene trennt die verschiedenen Filmbeiträge, deren Themenpalette vom Bericht über den Besuch eines sozialen Zentrums in Palermo, der Dokumentation einer antirassistischen Aktion vor der Frontex-Zentrale in Warschau bis zu einer Reportage über den Alltag im Berliner Hausprojekt Köpi reicht. Mit diesem Beitrag knüpfen die Filmemacher an ihre Wurzeln in der Ostberliner Hausbesetzerbewegung der frühen 90er Jahre an.
Der ungewöhnliche Name zeugt davon: ak steht für die Aktuelle Kamera, der Nachrichtensendung der DDR und kraak kommt von kraaken, der holländischen Bezeichnung für das Besetzen von leerstehenden Gebäuden. »Damals waren die Vorführungen in den diversen neu etablierten Kneipen in besetzten Häusern immer ein Abenteuer. Manchmal streikte der Beamer, oft gab auch eines der besetzten Häuser Alarm, weil Polizei aufgefahren war«, erinnert sich der kraak-Veteran an den Charme der frühen Jahre. Auch in der eigenen Szene wurden die damaligen Amateurfilmer nicht immer mit Wohlwollen betrachtet. »Der Schlachtruf ›Kameramann Arsch-loch‹ wurde uns manchmal auf Demos entgegengerufen«, erinnert sich ein Mitbegründer des Videoprojekts.
Die ak-kraak-Veteranen gehören zu den Pionieren des Videoaktivismus. Heute findet man auf vielen Demonstrationen mehr Kameras als Transparente und fast alle Aktionen kann man oft schon wenige Stunde später im Internet finden.
Besonders gelungen ist der Beitrag über den Kampf afrikanischer Flüchtlinge um die Aufklärung der Todesumstände von Oury Jalloh, der im Januar 2005 an Händen und Füssen gefesselt in einer Polizeizelle in Dessau verbrannte. Bewegend sind die eingesprochenen Worte des afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu Jamal. Selbst wegen eines umstrittenen Urteils 25 Jahre in der Todeszelle, klagt Jamal die deutsche Polizei scharf an.
Die Reportage über die Besetzung einer Fahrradfabrik im thüringischen Nordhausen durch streikende Arbeiter zeigt, welches Selbstbewusstsein die Beschäftigten durch ihre Aktion bekommen haben. Doch nicht alle Beiträge halten diese Qualität. Die Videoschnipsel zu den G 8-Protesten von Heiligendamm sind nach über einem Jahr veraltet. Ein wohl satirisch gemeinter Beitrag zu den Zuständen im Gefangenenlager Guantanamo ist zu lang.
Im letzten satirischen Beitrag wird das ak-Team unter der Lava des Äthna begraben. Fans hoffen, dass die Filmemacher nicht wieder für zwei Jahre verschüttet bleiben.
Die DVD kann über akkraak.squat.net bestellt werden.