[Index] [Nowak] [2006] [2007]

ND14.09.07 Augen zu und durch
Die Krise des studentischen Dachverbandes fzs lässt den neuen Vorstand kalt
Von Peter Nowak
Der studentische Dachverband fzs (»freier zusammenschluss von studentInnenschaften«) befindet sich nach dem Austritt einiger Studierendenvertretungen und internen Streitigkeiten um den künftigen Kurs des Verbandes in einer Krise. Im neu gewählten Vorstand der Organisation, die nach eigenen Angaben die Interessen von über einer Million Studierenden vertritt, will man davon aber offenbar nichts wissen.
»Studierenden eine starke Stimme verleihen.« So war Anfang September eine Pressemeldung des fzs überschritten. Der Verband informierte darüber, dass ein neuer Vorstand die Amtsgeschäfte übernommen hat und skizzierte die unterschiedlichen Aufgabenfelder. Mit keinem Wort wird in der Pressemeldung oder auf der fzs-Homepage die schwere Krise erwähnt, in der sich der Verband spätestens seit Ende Juli befindet.
Auf der 32. fzs-Mitgliederversammlung brach der jahrelang schwelende verbandsinterne Konflikt zwischen Vertretern einer eher auf Protest und einer auf Lobbyismus setzenden Fraktion offen auf. Letztere setzten sich bei den Vorstandwahlen durch. Seitdem haben mehrere ASten den fzs verlassen. »Wir haben über Jahre versucht, die Politik des fzs aktiv zu gestalten und uns zu engagieren. Einige von den Unterzeichnern sind Gründungsmitglieder des fzs und haben in Gremien mitgewirkt. Unsere Entscheidung, den fzs jetzt zu verlassen, ist der Tatsache geschuldet, dass unsere Energie und Geduld, die wir lange, leider vergeblich, in notwendige Veränderungen des Verbandes investiert haben, ihr Ende gefunden haben«, schreiben Vertreter von ASten aus Hochschulen in Chemnitz, Marburg, Gießen, Darmstadt und Frankfurt (Main) in einer gemeinsamen Austrittserklärung.
»Den Verlust inhaltlicher Substanz will man dadurch wettmachen, dass man einen engen Schulterschluss mit der politischen Mitte probt«, kritisiert das Ende Juli abgewählte fzs-Vorstandsmitglied Konstantin Bender. Er kämpft weiterhin für den Erhalt des fzs, befürchtet allerdings, dass er bei der Beibehaltung der neuen Linie zum Lobbyclub für Servicezwecke werden könnte. Auch der frühere AStA-Vorsitzende der Universität Frankfurt (Main) Armin Benaissa ist von der Entwicklung des Verbandes enttäuscht. Er hatte vor drei Jahren für den Eintritt der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in den fzs geworben. Davon erhoffte er sich Rückenstärkung beim Kampf gegen die Studiengebühren in Hessen. Jetzt ist Benaissa ernüchtert: »Der fzs trifft sich lieber mit der Hochschulrektorenkonferenz und macht mit denen einen gemeinsamen Flyer«.
Auch die im Bündnis »Übergebühr« zusammen geschlossenen Studiengebührengegner verfolgen den Kurs des Verbandes mit Befremden: »Derweil setzt sich der Kurs innerhalb des fzs fort. Einer der zentralen Punkte des Konflikts, nämlich die konstruktive Mitbestimmung über Studiengebühren, erreicht einen neuen Stellenwert«, heißt es dort. Ihre Kritik entzündet sich am Arbeitskreis »Controlling Studienbeiträge«, der bei der Verteilung der Studiengebühren zuschauen darf. Für Claudia Wrobel vom ASta der Berliner Freien Universität hat eine solche Einbeziehung in den universitären Verteilungskampf nichts mehr mit studentischer Mitbestimmung zu tun.
Der neue fzs-Vorstand wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Mehrfache Bitten des ND um eine Stellungnahme blieben unbeantwortet.