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ND24.11.2007Unterschriften für die Bibliotheken
Proteste gegen Pläne zu Schließungen in Pankow und Mitte
Peter Nowak
Jürgen Pflug ist sauer. Hartnäckig hat er gegen die Schließung von zwei öffentlichen Bibliotheken im Bezirk Pankow gekämpft. Gemeinsam mit der Initiative »Pro Kiez im Bötzowviertel« kamen in wenigen Wochen mehr als 3000 Unterschriften für den Erhalt der Kurt-Tucholsky-Bibliothek an der Esmarchstraße 18 und der Stadtteilbibliothek in der Senefelder Straße 9 zusammen.
Trotzdem hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 21. November mit den Stimmen von SPD und Linkspartei im Rahmen der Verabschiedung des Haushaltes die Schließung der Bibliotheken beschlossen. Die Grünen, die CDU und die Berliner Alternative für Solidarität und Gegenwehr stimmten dagegen. Kulturstadtrat Michael Nelken (LINKE) hatte in den letzten Wochen immer wieder betont, dass er mit den Bibliotheksschließungen nicht glücklich sei. Doch letztlich sei es eine Frage der finanziellen Prioritäten.
Auch im Stadtteil Karow haben sich Anwohner mit Unterschriften gegen die Schließung der Bibliothek in der Achillesstraße 77 gewandt. Der Vorsitzende der Einwohnerinitiative Karow Wolfgang Hörn sieht die Schließung in einem größeren Zusammenhang: »Im Rahmen der schleichenden Bedrohung der bestehenden Kultur in Berlin wurden schon viele Stadtteilbibliotheken geschlossen und anderen droht absehbar das gleiche Schicksal«.
Dazu gehört auch die Jerusalem-Jugendbibliothek in der Schulstraße 99 in Wedding. Anwohner sind über die Schließungspläne empört. Sie verweisen darauf, dass in der letzten Zeit der Nauener Platz in unmittelbarer Nähe zur Bibliothek neu gestaltet worden ist. »Wie kann dann ein paar Meter weiter eine Institution geschlossen werden, die für viele Kinder und Jugendliche im Alltag einen wichtigen und verlässlichen Partner darstellt?« Kritiker der Schließung verweisen auch darauf, dass Wedding schon jetzt zum »bildungsärmsten Bezirk« Berlins gehöre. Bis zum 20. Dezember soll der Druck auf die Bezirksverordneten erhöht werden, damit sie die Schließung der Bibliothek ablehnen. An diesem Tag findet die entscheidende Abstimmung statt. Höhepunkt der Proteste wird eine Demonstration zum Erhalt der Jerusalem-Kinderbibliothek sein, die am 30. November um 16 Uhr direkt vor dem Bibliotheksgebäude beginnen soll.
Der Forderungskatalog richtet sich zwar in erster Linie an den Bezirk. Allerdings soll auch gegen die Sparpolitik des Senats demonstriert werden. Die Veranstalter hoffen, dass mit der Demonstration die verschiedenen Proteste gegen Bibliotheksschließungen auf Bezirksebene gebündelt werden und dann auch mehr Wirkung entfalten können.