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ND vom 20.04.2007Globales Handeln in lokalen Strukturen
In mehreren Städten werden am Wochenende lokale Sozialforen stattfinden
In Berlin, Pforzheim, Reutlingen und Saarbrücken wird am kommenden Wochenende
zu lokalen Sozialforen aufgerufen. Eingeladen sind politische Gruppen,
Zusammenhänge und Einzelpersonen, die “sich gegen die herrschende Politik der
gesellschaftlichen Spaltungen und sozialen Ausgrenzungen wendet“, heißt
es dem Einladungstext zum Berliner Sozialforen.
Die Sozialforumsbewegung spielte in Deutschland bisher eher eine
untergeordnete Rolle. Oft sind die wenigen Aktivisten auch noch in anderen
Gruppen aktiv. Diese Doppelbelastung hat sich auch bei der Vorbereitung des
Wochenendes bemerkbar gemacht. In Bremen wurde das Sozialforum auf Mitte
September verschoben. In Heidelberg ist wegen der G8-Mobilisierung das
Sozialforum etwas in den Hintergrund gerückt. In Freiburg wird es eintägiges
Sozialforum am Samstag geben. In Berlin hat man ein ambitioniertes
zweitägiges Programm vorbereitet. Es wird in der Rütlischule im Stadtteil
Nordköln stattfinden. Diese Schule im sozialen Brennpunkt war im letzten
Frühjahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem das Lehrerkollegium in einem
Brief die Schließung mit der Begründung gefordert hatte, dass sie ihre
pädagogischen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können.
„Damit sind wir an einem Ort, an dem wir mit den Problemen direkt konfrontiert
sind und an dem wir nach Lösungen suchen wollen,“ meint Axel Strasser vom
Vorbereitungskomitee. Das aus wenigen Podiumsdiskussionen und vielen
Arbeitsgruppen bestehende Programm widmet sich schwerpunktmäßig der Frage,
wie man sich gegen prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen zur Wehr setzen
kann. Neben Vertretern sozialer Bewegungen und Erwerbslosengruppen sollen
auch Gewerkschaftler zu dieser Frage Stellung nehmen. Auf einer Veranstaltung
am Sonntagabend soll diskutiert werden, ob Auszubildende, Erwerbslose und
Hochschulabsolventen mit Teilzeitjob mehr verbindet, als die Tatsache, dass
sie prekären Verhältnissen unterworfen sind.
Ein zweiter Schwerpunkt des Sozialforums ist die Mobilisierung zum G8-Gipfel
in Heiligendamm. Zunächst waren manche Aktivisten skeptisch, ob im Vorfeld
der Gipfelmobilisierung und verschiedener Aktivitäten zum 1.Mai noch Zeit
und Interesse für das Sozialforumswochenende bleibt.
Doch nach einer längeren Diskussion hat man sich bewusst für diesen Termin
entschieden.
„Die Vorbereitung für die Proteste gegen den G8-Gipfel hat die Diskussion
über Gegenwehr gegen die neoliberale Wirtschaftsordnung wieder angeregt.
Mit dem Sozialforum sollen Strukturen geschaffen werden, die über den Gipfel
hinaus Widerstand gegen die Folgen der neoliberalen Politik vor Ort bündeln
können,“ so ein Mitglied des Vorbereitungskreises gegenüber ND.
Damit will man auch verhindern, dass die vielen Bündnisse und Vernetzungen
nach dem Ende des Gipfels sofort wieder zerfallen. Die Sozialforumsbewegung
plant schon für den nächsten September. Dann findet in Cottbus das zweite
bundesweite Sozialforum statt. „Wenn die lokalen Sozialforen am Wochenende
ein Erfolg werden, haben wir eine gute lokale Basis für Cottbus“, meint ein
Mitglied der Vorbereitungsgruppe.
Peter Nowak