[Index] [Nowak] [2006] [2007]

ND06.07.07 Gleiche Chancen für alle
Von Peter Nowak
»Die Diskriminierung auf Grund der Rasse beendet man dadurch, dass man die Diskriminierung auf Grund der Rasse beendet«. Dieses Statement kommt nicht von einem linken Antirassisten sondern vom konservativen US-Richter John Roberts. Es war die zentrale Begründung für ein Urteil des Obersten US-Gerichtshofes, das in der letzten Woche die Praxis der Verteilung von Schülern nach ethnischen Kriterien in den USA aufgehoben hat. Mit diesem Verteilungsprinzip sollten bisher benachteiligte Gruppen gezielt gefördert werden.
Das Konzept wurde vor allem von Linksliberalen begrüßt. Dort war die Kritik an dem Urteil denn auch besonders stark. So kam heftige Urteilsschelte von Seiten der oppositionellen Demokraten. Doch auch die Linke gehörte keineswegs immer zu den Verfechtern dieses Konzepts. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung kämpfte für eine Umgestaltung des rassistischen Systems. Die gezielte Förderung von Farbigen an Schulen war dann ein Zugeständnis an eine starke Bewegung.
Sicher hat die ethnische Steuerung in einzelnen Fällen Verbesserungen gebracht. Doch an der grundsätzlichen Benachteiligung von Farbigen hat sich damit nichts geändert. Schließung wurde damit die Klassenspaltung nicht angetastet, die eine wesentliche Ursache für die Diskriminierung ist.
Die Steuerung nach ethnischen Gesichtspunkten hat hingegen auch eine neue Segmentierung bewirkt, die das Wahrnehmen gemeinsamer Interessen eher erschwert. So besteht die Hoffnung, dass das Urteil des höchsten US-Gerichts wieder eine Politisierung auf Grund der Klassenlage und der sozialen Situation ermöglicht. Chancengleichheit für alle – statt ethnische Differenzierung, könnte dabei eine gute Parole sein. Die müsste übrigens nicht nur für die USA gelten. Auch in Deutschland gab es in Stadtteilen mit einem starken Migrantenanteil Bestrebungen, das Prinzip der ethnischen Steuerung einzuführen.

Der Autor ist freier Journalist und lebt in Berlin.