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Telepolis vom 24.10.07 Elitebildung statt Bildungsförderung
Peter Nowak

Björn Kietzmann vom AStA der eben zur Elite gekürten FU Berlin
erläutert die Bestürzung über die Entscheidung
In den meisten Berliner Medien wurde mit großem Jubel berichtet, dass
die Freie Universität Berlin (1) von der Exzellenzinitiative (2)
ausgezeichnet (3) worden ist. Das Präsidium der Freien Universität
sieht sich in ihren Kurs bestätigt und lehnt alle Vorschläge ab, in
Berlin eine einheitliche Universität zu schaffen. Allerdings gibt es
gerade unter aktiven Studierenden nicht nur Freude über die
Exzellenzauszeichnung. Der AStA der FU (4) hat in einer
Presseerklärung (5) sogar seine "Bestürzung" über die Entscheidung
ausgedrückt.
Der FU-AStA hat in einer Pressemitteilung die Bestürzung über die
Entscheidung der Exzellenzinitiative zur Auszeichnung FU als
Eliteuniversität ausgedrückt. Warum freuen Sie sich nicht?
Björn Kietzmann:
Wir halten den Exzellenzwettbewerb insgesamt für falsch. Dabei geht
es um die Förderung von Elitenforschung. Unser Ansatz dagegen ist, dass
Bildung in seiner ganzen Breite von der Kita bis zur Erwachsenenbildung
gefördert werden sollte. Eine solche Orientierung fordert eine totale
Umorientierung in der Bildungspolitik. Die auf Wettbewerb ausgerichtete
Elitenförderung, ist das totale Gegenteil davon.
Wird aber durch die Auszeichnung der FU nicht mehr Geld an die
Universität fließen?
Björn Kietzmann:
Doch, aber es fließt zweckgebunden an einzelne Forschungsprojekte. Bei
der Lehre wird kein zusätzliches Geld ankommen. Das Land Berlin muss
sich mit 25 Prozent an den Kosten beteiligen. Aus welchen Töpfen dieses
Geld stammen wird ist derzeit noch unklar. Das zusätzliche Geld ist
auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, bedenkt man die Politik des
Kaputtsparens der letzten Jahre.
Sie kritisieren auch, dass mit der Auszeichnung eine "fragwürdige
Politik des FU-Präsidiums" belohnt wird. Was meinen Sie damit?
Björn Kietzmann:
Hiermit meinen wir das undemokratische Handeln der Uni-Leitung, was
sich unter anderem an dem Umgang mit der Bewerbung als Eliteuniversität
zeigt. Diese ist bis heute nicht öffentlich. Selbst die Mitglieder des
Akademischen Senats, dem höchsten Entscheidungsgremium an der FU, ist
diese unbekannt. Entscheidungen werden an FU höchst undemokratisch
getroffen. Wir fordern deshalb eine Demokratisierung der Hochschulen,
also ein Ende der Professoren-Mehrheit in den akademischen Gremien
durch gleiche Mitspracherechte aller Hochschulstatusgruppen.
Sie kritisieren auch die Personalpolitik des FU-Präsidiums. Wo sehen
Sie hier einen Zusammenhang mit der Exzellenzinitiative?
Björn Kietzmann:
An der "graduate school of north american studies", die in der ersten
Ausschreibungsrunde des Elite-Wettbewerbs gefördert wurde, blockiert
das Präsidium eigenmächtig die Berufung des Nordamerika-Spezialisten
Albert Scharenberg (6). Er wurde von der zuständigen Fachkommission als
der am besten geeignete Bewerber für eine ausgeschriebene
Juniorprofessur ausgewählt, doch das Präsidialamt setzte das
Berufungsverfahren aus. Da dessen Begründungen sich als vorgeschoben
herausstellten und der Eingriff eine Kompetenzüberschreitung darstellt,
ist es naheliegend, dass die Berufung aus politischen Gründen
verhindert werden soll. Scharenberg ist u.a. Mitarbeiter der
Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Findet Ihre Kritik bei den FU-Studierenden Zustimmung oder überwiegt
dort die Freude über die Auszeichnung?
Björn Kietzmann:
Es gibt sicher Studierende, die es toll finden, dass "ihre
Universität" ausgezeichnet wurde. Aber viele Studierende teilen unsere
Kritik, weil sie selber im Studienalltag erfahren, dass an der
Universität vieles im Argen liegt. Ich nenne da nur als Beispiele
überfüllte Hörsäle und die erschwerte Möglichkeit des
Studienfachwechsels. Diese Unzufriedenheit mit den Studienbedingungen
schlägt sich auch in der zunehmenden Zahl der Studienabbrecher an der
FU nieder. Vielen Studierenden ist daher auch bewusst, dass die
Förderung einiger Leuchttürme der Forschung diese Probleme verschärft
und nicht löst.

LINKS

(1)
http://www.fu-berlin.de/
(2) http://www.bmbf.de/de/1321.php
(3) http://www.fu-berlin.de/presse/fup/2007/fup_07_244/index.html
(4) http://www.astafu.de/
(5) http://www.astafu.de/aktuelles/archiv/a_2007/presse_10-19
(6) http://www.wikio.de/news/Albert+Scharenberg