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ND03.08.07Metaller solidarisch mit Lokführern
Kann GDL-Streik DGB-Gewerkschaften nützen?
Von Peter Nowak
Während der Vorstand der DGB-Gewerkschaft Transnet weiterhin die Streikvorbereitungen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im Verein mit dem Bahnmanagement scharf kritisiert, hat sich mit dem »Stuttgarter Metallertreff« erstmals eine linke Basisgruppe aus dem DGB-Bereich mit der zum Beamtenbund gehörenden GDL solidarisiert.
»Wir Betriebsräte aus Stuttgarter Metallbetrieben unterstützen euren Kampf um höhere Löhne und solidarisieren uns mit eurem Streik«, heißt es in dem Aufruf. Mit Kritik an der Position der Transnet wird in dem Papier nicht gespart, obwohl die DGB-Gewerkschaft nicht offen beim Namen genannt wird. »Wir verurteilen es, wenn Gewerkschaftsführer euren Streik torpedieren und die Bahnprivatisierung unterstützen«, so die linken Metall-Gewerkschafter aus Süddeutschland.
Sie erhoffen sich von der kleinen GDL offenbar die Durchsetzungskraft und das Stehvermögen, das sie bei den DGB-Gewerkschaften derzeit vermissen. »Seit vielen Jahren ist die Gewerkschaftsbewegung in der Defensive und muss Reallohnverluste, Arbeitszeitverlängerung und den Abbau von sozialen Errungenschaften hinnehmen, weil gewerkschaftliche Kämpfe nicht hartnäckig als Erzwingungsstreiks geführt werden«, klagen sie.
Ein Erfolg der Lokomotivführer würde sich nach Meinung des Zirkels aus der Gewerkschaftslinken auch auf künftige Arbeitskämpfe von DGB-Gewerkschaften positiv auswirken, sind die Unterzeichner der Soli-Erklärung überzeugt. Für den Aufruf, der im Internet veröffentlicht wurde, werden zur Zeit in Gewerkschaftskreisen bundesweit weitere Unterstützerunterschriften gesammelt.
Im Gegensatz zum Vorstand soll es auch bei der Basis von Transnet durchaus Verständnis für die Haltung der GDL geben. So sei – allerdings nach Angaben der Lokführergewerkschaft – nach dem Tarifabschluss von 4,5 Prozent mehr Lohn zwischen Transnet und der Deutschen Bahn sogar eine kleine Zahl von Transnet-Mitgliedern zur GDL übergetreten.
Auf der linken Gewerkschafter-Internetplattform Labournet wird derweil weiter über kreative Aktionsformen im Zuge eines möglichen Lokführerstreik diskutiert. So könnte das bei Arbeitskämpfen in Frankreich und Deutschland bereits erfolgreich praktizierte Nicht-Kassieren beziehungsweise Nicht-Kontrollieren der Fahrscheine durch das Fahrpersonal die Bahn-AG unter einigen Druck setzen – und würde gleichzeitig weit weniger Ärger beim Publikum hervorrufen als das bloße Bestreiken der Züge.
Der Aufruf im Internet:
http://www.trueten.de/