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Scheinschlag 3/07Der subkulturelle Reiz des Faschistischen
Der Roman Macht und Rebel hat in Norwegen, dem Heimatland des Autors Matias Faldbakken, für heftige Debatten gesorgt. Beschreibt er doch eine subkulturelle Bewegung, die im Liebäugeln mit dem Faschismus den letzten und ultimativen Kick entdeckt hat. Davon ist in der Aufführung des Regisseurs Robert Lehniger im Berliner Prater wenig Aufregendes übrig geblieben. Zu oft driftet die knapp über 100 Minuten lange Aufführung ins seicht Komödiantische ab.
Die Figuren Macht und Rebel sind die Hauptakteure des Stücks. Macht ist der Konsequentere von beiden. Für seine subkulturelle Vergangenheit hat er nur noch Verachtung übrig. Er genießt und besingt seinen temporären Aufstieg als freier Mitarbeiter eines großen Konzerns und beschimpft alle seine Freunde, die auf der Strecke geblieben sind. Rebel hingegen hängt seiner Vergangenheit noch an. Staat, Karriere und Anpassung sind ihm verhaßt. Für ihn, der schon alles ausprobiert hat, bedeutet das Kokettieren mit dem Faschismus den letzten, den ultimativen Kick. Er schwärmt von Hitler-Reden und liest Mein Kampf. Dann ist da noch Faty, ein Weltenbummler mit abgebrochenem Politologiestudium, der sich kurze Zeit erfolg-los in der neuen Ökonomie versucht hat und mittlerweile als leicht esoterischer Konzertveranstalter sein Auskommen gefunden hat. Alle drei hassen sich und können doch nicht voneinander lassen. Das Stück ist trotz viel Klamauk nicht wirklich lustig. Und manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
Nur in einigen Szenen blitzt eine Ahnung auf, was mit dem Stück möglich gewesen wäre, das ein brandaktuelles Thema behandelt. Denn das Kokettieren mit rechter Ideologie in Teilen des prekär beschäftigten Milieus ist nur die zeitgemäße Variante der Anfälligkeit des Mittelstandes für das NS-Regime.
Peter Nowak