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ND28.09.07 Integrationspolitik in Gefahr
Die geplante Schließung der Studienkollegs in NRW stößt auf scharfe Kritik
Von Peter Nowak
Die Absicht der Bundesregierung, mehr ausländische Studenten an deutsche Unis zu locken, wird aus den eigenen Reihen torpediert. Anfang September beschloss die nordrhein-westfälische Landesregierung, die staatlichen Studienkollegs, an denen Studierwillige aus Nicht-EU-Ländern auf ein Studium in Deutschland vorbereitet werden, zu schließen.
An den Studienkollegs der Hochschulen Münster, Köln, Bonn und Aachen sowie an den Fachhochschulen Krefeld, Dortmund und Köln gehen zum Sommersemester 2008 die Lichter aus. Die sieben Kollegs seien nicht effektiv und die 93 Lehrkräfte könnten in anderen Bereichen eingesetzt werden, begründete die konservativ-liberale Landesregierung ihre Schließungspläne und verweist dabei auf einen Prüfbericht des Landesrechnungshofes. Private und kirchliche Kollegs sollen hingegen bestehen bleiben. Ein erfolgreicher einjähriger Besuch des Studienkollegs berechtigt die Absolventen zur Aufnahe eines Studiums an einer Fachhochschule oder Universität. Als Ersatz für die Kollegs will die Regierung für ein Stipendienprogramm 3,1 Millionen Euro bereitstellen.
Unterstützt werden die Pläne unter anderen von der Prorektorin der Universität Münster, Marianne Ravenstein. »Die Universität Münster befürwortet nicht den Fortbestand des Staatlichen Studienkollegs in Münster«, schrieb sie an die Landesrektorenkonferenz. Doch seit die Schließungspläne bekannt wurden, wächst die Zahl der Kritiker aus den unterschiedlichsten Richtungen. So wirft der eher konservative Philologenverband der CDU-FDP-Landesregierung in einem Offenen Brief vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten und über ein falsches Konzept zu verfügen. Die Regierung hätte den Nutzen der Kollegs für die ausländischen Studierende völlig außer Acht gelassen. Die Absolventen der Kollegs würden die Universität schneller und mit besseren Ergebnissen verlassen als ihre Mitstudierenden ohne Kollegbesuch.
Die Studienvertretung an der Universität Münster sieht gar die Weltoffenheit der Hochschulen in Gefahr, wenn die Schließungspläne umgesetzt werden. Die meisten ausländischen Kommilitonen würden sich den Besuch eines privaten Studienkollegs nicht leisten können. Schließlich würden Kosten von über 15 000 Euro jährlich anfallen. Für den AStA der Universität zu Köln droht mit dem Wegfall gar das Ende einer Integrationspolitik ausländischer Studierender.
Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) wiederum fordert eine Reform statt eine Abschaffung der Studienkollegs. Der Verband weist auf die Probleme ausländischer Studierender hin, die durch den Wegfall der Kollegs noch zunehmen würden. »Ausländische Studierende müssen viele Hürden nehmen, wenn sie in der Bundesrepublik studieren wollen: Sprachtest, Visum und Anerkennung des Schulabschlusses müssen in der Regel aus dem Ausland mit viel bürokratischem Aufwand geregelt werden. Dazu kommen oft horrende Bearbeitungsgebühren für die Bewerbung«, so fzs-Sprecher Martin Menacher.