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ND16.05.07 Kann Musik Protest anfachen?
»Irie Révoltés« beteiligen sich an einer Soli-CD gegen den G 8-Gipfel / Die Heidelberger Band um Sänger Mal Èlevé unterstützt die Mobilisierung nach Heiligendamm
ND: Ihre Band hat einen Beitrag für einen Sampler beigesteuert, mit dem die Mobilisierung von G 8-Gegnern nach Heiligendamm unterstützt werden soll. Warum beteiligt sich »Irie Révoltés« an der Mobilisierung?
Mal Èlevé: Wir hoffen, dass durch die Musik Menschen angesprochen und motiviert werden. Es ist für viele nicht leicht, diesen Schritt zu machen und sich den Protesten anzuschließen. Wenn unsere Musik Leuten einen Anreiz bietet, nach Heiligendamm zu fahren, dann hat der Sampler seinen Zweck erfüllt. Wir sind oft auch bei regionalen politischen Aktionen aufgetreten, weil wir damit dazu beitragen wollten, dass sich mehr Menschen beteiligen. Dieses Anliegen finden wir völlig legitim.
Der Titel des Songs auf dem Sampler ist »Morale«. Fürchten Sie nicht, in die Ecke von Gutmenschen und Moralisten abgeschoben zu werden?
Wir haben den Titel bewusst gewählt. Es kommt darauf an, was man unter Moral versteht. Wir fragen in unseren Songs nach positiven Werten, nach einer Welt ohne Faschismus und Krieg etwa. Da habe ich keine Angst, in die Ecke der Moralisten gestellt zu werden.
Sie verstehen sich als politische Musiker?
Eindeutig. Für uns als Band gehörten Politik und Musik von Anfang an zusammen. Wir haben es immer für wichtig erachtet, mit unserer Musik auch Botschaften zu vermitteln. Deshalb haben wir zum Beispiel viel auf Solidaritätskonzerten und Demonstrationen gespielt.
Unsere Musik motiviert uns selbst, das Geschehen der Welt zu beeinflussen, und wir tun es mit ihr. Wir singen über Themen, die uns beschäftigen. Mit der Musik verarbeiten wir diese Themen und tragen sie nach außen. Wir sagen den Leuten allerdings nicht, was sie zu denken haben. Wir wollen vielmehr mit unseren Songs zum Nachdenken anzuregen und unseren Zuhörern vielleicht auch Mut zum Kämpfen geben.
In letzter Zeit haben Sie auch bundesweit Erfolg. Ihr Titel »Soleil« lief mehrere Wochen in den Charts des Südwestfunks. Wie verändert der Erfolg eine politisch engagierte Band?
Wir müssen natürlich immer wieder darauf achten, dass wir nicht abheben. Doch wir sehen jetzt in erster Linie mehr Möglichkeiten, unsere Inhalte an ein größeres Publikum zu vermitteln. So können wir in Kreisen Gehör finden, die sich bisher wenig mit politischen Themen beschäftigt haben. Darin sehen wir auch eine große Chance.
Wie kommen Fans der ersten Stunde mit der gestiegenen Bekanntheit klar?
Es gibt bei manchen schon mal kritische Fragen, ob wir jetzt zu Prominenten aufgestiegen sind. Doch wir haben einen engen Kontakt zu unserem Publikum. So können wir Unstimmigkeiten schnell aufklären. Wir können deutlich machen, dass wir immer, auch auf dem Soli-Sampler, ohne Gage spielen. Kein Mitglied unserer Band kann von der Musik leben. So können wir allen Gerüchten, wir seien nur am Erfolg interessiert, den Boden entziehen.
Haben Sie schon einmal abgelehnt, für eine Kampagne zu spielen?
Wir achten schon darauf, wer hinter den Kampagnen steht, für die wir auftreten. Wir haben einmal abgesagt, weil der baden-württenbergische Ministerpräsident Oettinger ein Grußwort halten sollte. Mit politischen Parteien hätten wir schon Schwierigkeiten. Wir spielen in erster Linie für die außerparlamentarische Bewegung.
Fragen: Peter Nowak