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Blick nach Rechts18/2007Hinrichtung von Gegnern
Brutale rechtsextreme Gewalt in Russland.
Das knapp dreiminütige Video schockierte die russische Öffentlichkeit. Auf yandes.ru, eine der meistbesuchten russischen Internestseiten, war die Erschießung und anschließende Enthauptung von zwei vor einer Hakenkreuzfahne knienden Männern zu sehen, deren Gesichter nicht zu erkennen waren. In dem Video wurden die Getöteten als „tadschikische und dagestanische Kolonisten“ bezeichnet. Die Verantwortung für die angebliche Hinrichtung übernahm eine „Nationalsozialistische Partei“, die sich auf dem Video als „militärischer Arm“ der Nationalsozialistischen Gesellschaft (NSG) bezeichnet. Experten gehen von der Echtheit der Hinrichtungsszene aus.
Menschen aus den ehemaligen sowjetischen Kaukasusprovinzen Tadschikistan und Dagestan gehören zu den besonderen Angriffszielen russischer Rechtsradikaler. Aber auch Personen, die sich politisch nicht im Sinne der Nationalisten engagieren, sind in ihrem Visier. So wurde am 20. Juli im sibirischen Angarsk der 21-jährige Umweltaktivist Ilya Bodorajenko bei einem Überfall von 15 Rechtsextremisten so schwer verletzt, dass er einen Tag später im Krankenhaus starb. Vor einigen Tagen wurde vor einem Petersburger Gericht ein russischer Rechtsextremist zu einer 12-jährigen Haftstrafe verurteilt, weil er im November 2006 den Studenten Timur Katscharawa in der Innenstadt von St. Petersburg nach einer politischen Aktion erstochen hatte (bnr berichtete). Prozessbeobachter kritisierten, dass mehrere Mitangeklagte mit Bewährungsstrafen davon kamen. Obwohl Augenzeugen berichteten, dass rund ein Dutzend Rechtsextremisten an tödlichen Überfall auf Katscharawa beteiligt waren, mochte das Gericht keine Bandenkriminalität und auch keinen rassistischen Hintergrund der Tat erkennen. Laut Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax soll es auch nach dem Anschlag auf einen russischen Schnellzug am 13. August 2007, bei dem 170 Passagiere verletzt wurden, ernsthafte Hinweise auf eine Tat von Rechtsextremisten geben.
Peter Nowak