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ND  6.07.07Gegen Obdachlosigkeit und Zwangsräumung
Mehrere internationale Netzwerke rufen zu einer weltweiten Kampagne für das Recht auf Wohnen und den Kampf gegen Zwangsräumungen auf. Der Grundstein dafür wurde beim Weltsozialforum im Januar 2007 in Nairobi gelegt. Ende Mai hat der internationale Rat des Weltsozialforums bei seinem Treffen in Berlin einen ersten Aufruf verfasst. Bei einem Treffen sozialer Bewegungen am Rande der G8-Proteste in Rostock einigten sich die Aktivisten aus verschiedenen Ländern, darauf, in mehreren europäischen und lateinamerikanischen Städten in der ersten Oktoberwoche öffentlichkeitswirksame Aktionen für das Recht auf Wohnen durchzuführen.
Die Themenschwerpunkte sollen Wohnungsnot und Ausgrenzung sowie die Wiederaneignung ungenutzter Räume sein. Zu den Aktionsformen sollen auch symbolische und wirkliche Haus- und Landbesetzungen gehören, meint Knut Unger vom Habitat-Netzwerk. Dort haben sich Mietervereinigungen und Nichtregierungsorganisationen zusammen geschlossen, die sich die Förderung sozialer und ökologischer Wohnbedingungen und die Selbstorganisation und internationale Kooperation von Mieter-, Bewohner- und Wohnungslosenorganisation zum Ziel gesetzt haben. Auf der Homepage http://www.habitants.de ist der Aufruf der Kampagne für das Recht auf Wohnen veröffentlicht. Dort soll auch über die für Oktober geplanten Aktionen informiert werden. Für die Vorbereitung der Aktionswoche sollen regionale Bündnisse entstehen, in denen Mieterverbände sowie Gruppen aus der Obdachlosen- und Erwerbslosenbewegung zusammen arbeiten.
Lange Zeit galt Obdachlosigkeit als ein Problem der sogenannten 3.Welt. Doch das hat sich schon lange geändert. Mit der Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse ist auch der Kampf um ein Dach über den Kopf wieder in die Mitte der europäischen Gesellschaften zurück gekehrt. In verschiedenen Ländern haben sich soziale Initiativen gegen Obdachlosigkeit gegründet. So haben vor einigen Monaten die "Enfants de Don Quichotte“ mit der Aufstellung von Zelten in der Pariser Innenstadt auf die zunehmende Wohnungslosigkeit aufmerksam gemacht. In Deutschland haben sich Erwerbslose in verschiedenen Städten in Kampagnen gegen Zwangsumzüge zusammen geschlossen. Sie wollen verhindern, dass Hartz IV-Empfänger, deren Mieten höher sind als das Gesetz erlaubt, ihre Wohnungen verlieren.
Auch in japanischen Großstädten hat sich mittlerweile eine unabhängige Wohnungslosenbewegung gegründet. Aktivisten aus Osaka haben am 5 Juli ab 18 Uhr an der Berliner Humboldtuniversität über ihre Arbeit berichtet.

Peter Nowak