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ND26.01.07Langer Atem
»Quer« – die Zeitschrift für Erwerbslose
Von Peter Nowak
Die Erwerbslosenbewegung fing nicht mit Hartz IV an. Schon 1985 wurde die »überregionale und unabhängige Zeitschrift für Erwerbslose«, »Quer«, gegründet. Seitdem führt das Heft die Diskussionen, die bis heute polarisieren. Zum Beispiel: Recht auf Arbeit oder bedingungsloses Grundeinkommen?
Andere Themen, die sich für die aktuelle Nummer aufdrängten, waren vor 20 Jahren nicht vorstellbar. Wie etwa in Schweinfurt ein Erwerbsloser wochenlang beschnüffelt wurde, weil der Verdacht bestand, er lebe nicht allein in seiner Wohnung. Auf Grund von Vermutungen seien die Zahlungen eingestellt worden. »Abschrecken, entmutigen, fortschicken« – unter dieser Überschrift sammelt »Quer« weitere Episoden aus dem alltäglichen Wahnsinn. Doch gibt es auch Ermutigendes zu berichten. Erwerbslose in Oldenburg erreichten die Freigabe gesperrter Mittel für einen alleinerziehenden Vater durch einen gemeinsamen Agentur-Besuch.
Wenn es um Strategie geht, zieht »Quer« gelegentlich hart vom Leder. »Die deutschen Gewerkschaften wollten oder konnten mit Beginn der Massenarbeitslosigkeit in den 1980er Jahren die Arbeitslosen und Prekären nicht organisieren«, schreibt Michael Bättig. Doch bleibt auch ihm am Ende nur die vage Hoffnung auf eine »gesamtgesellschaftliche Mobilisierung«.
Im aktuellen Heft fühlt Quer auch dem Drogeriekettenbesitzer Götz Werner auf den Zahn, der als Visionär des Grundeinkommens durch die Medien gereicht wird. Getreu der Devise: Mit langem Atem kritisch gegenüber den Institutionen – aber auch gegenüber den Aktivitäten aus der eigenen Bewegung. Polemisch, aber immer gut darüber informiert, wie »Arbeitsmarktpolitik« von unten ausehen kann.

Quer, Postfach 1363
26003 Oldenburg