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ND30.11.2007Mit »Q-Rage« gegen NPD und Co.
Netzwerk bekämpft mit antirassistischer Schülerzeitung rechte Propaganda
Von Peter Nowak
Mit einer antirassistischen Schülerzeitung will das Schülernetzwerk »Schule ohne Rassismus« gegen rassistische Parolen an Schulen mobil machen. Ab heute werden die ersten Exemplare der Zeitung verteilt.
In den letzten Monaten hat man wieder gehört, wie Rechtsextremisten der verschiedensten Couleur Propaganda an Schulen gemacht haben. Mit offen rassistischen Parolen versuchten NPD-nahe Gruppierungen Schüler zu ködern. Aber auch rechtspopulistische Organisationen wie »Pro Köln« sind aktiv. Sie versuchen, die Propaganda etwas geschickter in den von ihr geförderten Schülerzeitungen zu verpacken.
Der rechten Propaganda will jetzt die antirassistische Zeitung »Q-Rage« etwas entgegen setzen. In einer Auflage von einer Million Exemplaren soll sie am 30. November bundesweit verteilt werden. Schwerpunktmäßig soll sie an allen 20 000 Schulen der Sekundarstufen I und II in Deutschland sowie an ca. 10 000 Treffpunkten von Jugendlichen ausgelegt werden. Herausgegeben wird »Q-Rage« vom Schülernetzwerk »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«. Um diesen Titel können sich Schulen bewerben. Voraussetzung ist eine Eigeninitiative der Schüler und ein nachweisbares Engagement gegen rechte Aktivitäten und Gesinnungen.
Von diesem Prinzip hat man sich auch beim Erstellen der Zeitung leiten lassen. Die Beiträge wurden von 16 Jugendlichen selbst verfasst. Die Themenpalette geht weit über die klassischen Antifathemen hinaus. Da werden Rapper vorgestellt, die auch ohne Hetze auf Schwule und Frauen etwas zu sagen haben. Der Netzexperte Burkhard Schröder gibt Tipps für den Datenschutz im Internet, schwule und lesbische Schülerinnen und Schüler berichten über ihre Erfahrungen beim Coming Out an ihrer Schule. Natürlich dürfen auch die klassischen Antifathemen nicht fehlen. Eine Reportage berichtet aus einer sogenannten national befreiten Zone in Brandenburg, in der Rechtsextremisten dominieren und die kleine linke und alternative Szene einschüchtern. Ein anderer Artikel berichtet über eine Veranstaltung des Holocaust-Überlebenden Salomon Perel an einer Schule in Berlin-Kreuzberg.
»›Q-Rage‹ greift all die Themen auf, die Neonazis und ihren Anhängern ein Dorn im Auge sind«, schreibt ein Mitarbeiter der Zeitung. »Die Beiträge zeigen, wie sich Jugendliche in ganz Deutschland für Menschenrechte einsetzen und am Ausbau der Zivilgesellschaft mitwirken«, meint die Projektleiterin von Schule ohne Rassismus, Sanem Kleff. Eberhard Seidel, der für »Q-Rage« presserechtlich verantwortlich ist, betonte gegenüber ND, dass die Zeitung ohne eine großzügige finanzielle Spritze nicht hätte in der großen Auflage gedruckt und verbreitet werden könnte. Da die Finanzierung für die Zukunft noch offen ist, könne auch noch nicht eindeutig gesagt werden, wie die Arbeit weitergeht.