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ND26.02.07 Her mit dem schönen Leben
Proteste gegen den Opernball in Frankfurt (Main)
Von Peter Nowak
Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Wochenende anlässlich des diesjährigen Opernballs in Frankfurt (Main) gegen die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft.
Prominente aus Wirtschaft, Kultur und Politik zelebrierten am vergangenen Samstagabend in der Mainmetropole unter dem Motto »Das Leben ist schön – es lebe das Leben«. Schon am Nachmittag demonstrierten gegen die Nobelfete Menschen, deren Leben in Zeiten von Sozialkürzungen, Bildungsabbau und Hartz IV nicht so schön ist. »Her mit dem schönen Leben« und »Aufmucken gegen Ungerechtigkeit« lauteten einige der Forderungen auf den Transparenten des rund 700 Menschen umfassenden Protestzugs. Studierende hessischer Hochschulen hatten zu den Protesten aufgerufen. »Studentischer Protest darf sich nicht auf die Hochschulen beschränken, sondern muss auf breiter Basis agieren – nur so haben wir eine Chance, den nötigen politischen Druck aufzubauen, der die Regierenden zum Einlenken zwingen kann«, hieß es in dem Redebeitrag eines studentischen Aktivisten.
Dieser Brückenschlag scheint auf der Demonstration tatsächlich in Ansätzen gelungen. Das »Rhein-Main-Bündis gegen Sozialabbau und Billiglöhne« forderte eine radikale Arbeitszeitverkürzung und die Abschaffung von Hartz IV. Flüchtlingsgruppen setzten sich für einen Abschiebestopp ein und auf einem Themenwagen wurde für die Proteste gegen den G 8-Gipfel im Juni in Heiligendamm mobilisiert. Die Redner der unterschiedlichen Initiativen betonten, dass der Opernball Anlass für die Proteste sei. Es gehe aber nicht darum, die Besucher des teueren Spektakels moralisch zu verurteilen, sondern den kapitalistischen Verwertungszusammenhang in den Blick zu nehmen.
Nach Ende der Demonstration kam es in der Innenstadt zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei der nach Angaben der Polizei zahlreiche Polizisten und Passanten verletzt wurden. Anja Muhr von den Organisatoren der Demonstration kritisierte gegenüber ND die Taktik der Polizei. Als mehrere hundert Demonstraten Richtung Opernplatz drängten, habe die Polizei Tränengas und Knüppel eingesetzt.