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Blick nach RechtsAusgabe 22/2007Neonazis outen politische Gegner.
Mitte Oktober veröffentlichte der NPD-Kreisverband Erfurt auf seiner Homepage die Namen und Adressen von elf Nazigegnern unter der Überschrift „asoziale Elemente der linken Szene“. Vorgeworfen wurde ihnen, am 23. Juni an Aktionen gegen das Lokal „Alter Fritz“ beteiligt gewesen zu sein, das sich zum zentralen Treffpunkt der Erfurter Rechten entwickelt hatte. In der letzten Zeit war die Lokalität häufiger Ziel antifaschistischer Protesten geworden. Am 23. Juni gab es einen Polizeieinsatz und Ermittlungen.
Die Betroffenen vermuten, dass die Personendaten über die Akteneinsicht von Anwälten der rechten Szene an die NPD gelangt sind. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte, Anwälte von Geschädigten dürften Einsicht in Ermittlungsakten nehmen. Der Linkspartei-Abgeordnete im Landtag von Thüringen Roland Hahnemann nannte die Veröffentlichung der Fotos und Daten auf der NPD-Homepage „eine rechtswidrige Aktion, die zur Einschüchterung der Betroffenen führen solle“. Das dürfte neben Publicity für die NPD auch der Hauptzweck der Aktion gewesen sein. Nach wenigen Tagen waren Daten und Fotos der Nazigegner von der NPD-Homepage verschwunden.
In Ebersbach im Odenwald haben NPD-Aktivisten und „Freie“ den Arbeitsplatz eines bekannten Linken aufgesucht. Am 8. Oktober verteilten die Rechtsextremisten vor der Realschule von Ebersbach Flugblätter und die berüchtigte Schul-CD der NPD. Grund war die Einstellung von Michael Csaszkóczy in den Schuldienst. Der Heidelberger durfte wegen angeblicher Zweifel an seiner Verfassungstreue seinen Beruf zunächst nicht ausüben. Erst nach einem Gerichtsentscheid konnte er die Lehrerstelle antreten. Für die Rechtsextremisten Anlass, um gegen den „liberalen Geist“ an Bildungseinrichtungen, gegen den „linksextremen 68er-Schwachsinn“ und gegen die Vermittlung von „linken Mythen“ an Schüler zu wettern. Damit verbunden waren Drohungen gegen die Schule und die Ankündigung, so lange wiederzukommen, bis „ein demokratisches Gegengewicht zu den Ansichten des Antifalehrers“geschaffen werde.
Peter Nowak