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 Blick nach Rechts  17Funktionierendes Netzwerk
Rechtsextreme Drohungen hinter Gittern.
„Good Bye Christian S.“, so endete ein Bericht auf der Internetplattform Indymedia. Was sich wie eine nette Grußformel anhört, ist hier aber eine handfeste Drohung. Denn in dem Text wurde mitgeteilt, dass der Nazigegner Christian S. in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel eine Haftstrafe wegen Landfriedensbruch absitzen muss und dort bestimmt bald Probleme bekommen wird. So heißt es unter anderem: „Zumindest den Nazis in Tegel wird er ein gefundenes Fressen sein und davon gibt es wahrlich genug von in Tegel. ... Naja vielleicht folgt ja der liebe Christian dem Thomas G. und erhängt sich selber. Dies würde ihm auf jedenfalls viel Leid und Schmerz ersparen.“ Thomas G. wurde im letzten Jahr in einer Gemeinschaftszelle in der JVA Siegburg von seinen Mithäftlingen stundenlang gequält und beging Selbstmord. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.
Freunde von Christian S. nehmen deshalb die Drohung sehr ernst. Schließlich hat das Verfahren gegen S. für öffentliches Aufsehen gesorgt und wurde auch auf rechtsextremen Webseiten kommentiert. Außerdem sind in der JVA Tegel bekannte rechtsextreme Führungsfiguren inhaftiert. Dazu zählt der „Landser“-Sänger Michael Regner, der in der rechten Szene als „Lunikoff“ bekannt ist und eine mehrjährige Haftstrafe wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verbüßt. Auch Christan Benz von der Kameradschaft Tor sitzt in Tegel ein. Schon lange sprechen Beobachter von einem funktionierenden rechten Netzwerk hinter Gittern. So berichteten Gefangene von einem regen Informations- und Materialaustausch unter den verurteilten Neonazis. Über diese Kanäle wurde auch die Verlegung von S. verbreitet.
Die Drohungen werden auch von der Gefängnisverwaltung nicht auf die leichte Schulter genommen. Eine Justizsprecherin geht aber davon aus, dass die Sicherheit von Christian S. auch im geschlossenen Vollzug gewährleistet ist. Seine Rechtsanwältin Silke Studzinsky hat allerdings einen Antrag auf Verlegung ihres Mandanten in ein anderes Gefängnis gestellt, da ihrer Meinung nach in Tegel seine Sicherheit nicht garantiert werden kann.