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ND05.10.07 Safariparks zerstören die Landwirtschaft
Gewerkschaftssekretär Alfred Angula im Gespräch über die Kämpfe von Namibias Landarbeitern
Alfred Angula ist Generalsekretär der Gewerkschaften der LandarbeiterInnen (NaFWU) und der Hausangestellten (NDAWU) in Namibia. Für eine Veranstaltung des Arbeitskreises Internationalismus der IG Metall kam der Gewerkschafter während seiner Deutschlandtour auch nach Berlin. Mit ihm sprach für ND Peter Nowak.
ND: Was hat sich seit Namibias Unabhängigkeit für die Lohnabhängigen verändert?
Angula: Die Wirtschaft ist weiter überwiegend in den Händen der Weißen. Nur gut ausgebildeten oder wohlhabenden Schwarzen ist der Aufstieg in Machtpositionen gelungen. Auf politischem Gebiet sind die Veränderungen allerdings groß. Heute herrscht Frieden im Land, in den ländlichen Regionen wurde die Infrastruktur durch den Bau von Schulen, Straßen und Krankenhäusern stark verbessert. Auch wesentliche demokratische Rechte sind garantiert.
Wie steht es um die Gewerkschaftsrechte?
Wir haben Organisationsfreiheit und Streikrecht und sind sehr froh, dass diese Rechte nun für das ganze Land gelten. Zeitweilig waren in Sonderwirtschaftszonen, in denen für Investoren günstige Anlagebedingungen geschaffen werden sollten, die Gewerkschaftsrechte stark eingeschränkt. Diese Behinderungen wurden aufgehoben.
Wie stark sind die Gewerkschaften in Namibia?
Das hängt von den Branchen ab. Insgesamt gibt es einen Organisierungsgrad von etwa 60 Prozent. Im Landarbeits- und Hausangestelltensektor, den ich vertrete, liegt der Organisationsgrad nur bei ca. zwölf Prozent. So haben die NaFWU und die NDAWU etwa 10 000 Mitglieder, aber nur rund 3000 bis 4000 sind in der Lage, regelmäßig ihre Mitgliedsbeiträge zu zahlen.
Wegen der großen Entfernungen zwischen den einzelnen Farmen ist zudem der regelmäßige Kontakt zu den Gewerkschaftsmitgliedern oft nicht einfach.
Was sind zentrale Forderungen Ihrer Gewerkschaft?
Der Kampf um einen Mindestlohn für Landarbeiter und Hausangestellte gehört seit Jahren zu unseren zentralen Zielen. Deshalb war die Einführung eines Mindestlohns am 1. Mai 2003 ein sehr großer Erfolg. Er beträgt monatlich 429 namibische Dollar, das sind etwa 49 Euro.
Wie schwierig sind die Verhandlungen mit den Landbesitzern?
Die Farmer sind in zwei Interessenverbänden zusammengeschlossen. Wir verhandeln mit ihnen über Löhne und Arbeitsbedingungen – mit dem Ziel einer Einigung. Wenn es dabei Schwierigkeiten gibt, analysieren wir Ursachen. Welche Fehler haben wir gemacht? Welche Kompromisse können wir eingehen, um zu einer Verständigung zu kommen? Erst, wenn einzelne Farmer zu keinem Kompromiss bereit sind, sind wir bereit, auch zu anderen Kampfformen, wie etwa Landbesetzungen, zu greifen. Das kam aber bisher selten vor.
Welche Probleme gibt es im Landwirtschaftsektor?
Die Umwandlung von Farmen, die Nahrungsmittel produzieren, in Spiel- und Abenteuerfarmen für reiche Safari- und Jagdurlauber betrachten wir aus mehreren Gründen mit großer Sorge. Diese Entwicklung führt schon heute dazu, dass Namibia gezwungen ist, aus Südafrika Nahrungsmittel zu importieren. Diese Umwandlung verschlechtert aber auch die Arbeitsbedingungen der Landarbeiter. Es werden weniger Beschäftige gebraucht. Oft werden sie nur noch während der Tourismussaison beschäftigt. Für Farmbesitzer ist diese Umwandlung rentabel, die meisten Menschen aber in Namibia und besonders die Landarbeiter haben davon überwiegend Nachteile.
Sie haben bei Ihrem Deutschlandbesuch auch Einblick in die Probleme der hiesigen Gewerkschaften bekommen. Wie ist Ihr Eindruck?
Bei meinem bescheidenen Einblick habe ich festgestellt, dass die Kluft zwischen Gewerkschaftsführung und Basis in Deutschland groß ist. Gerade junge Menschen sehen in den Gewerkschaften ihre Interessen oft nicht vertreten. In Namibia sind junge Leute in den Gewerkschaften auf allen Ebenen aktiv und werden von den älteren Gewerkschaftsmitgliedern dabei unterstützt.