[Index] [Nowak] [2006] [2007]

Blick nach Rechts 07/2007Aufmarsch in Erfurt
Freie und NPD gemeinsam zum 1. Mai.
„Es gibt leider keinen Termin in dem gewählten Zeitraum“, heißt es auf der Homepage des Berliner NPD-Landesvorstands zum diesjährigen 1. Mai. Dabei hatte die Partei vor wenigen Wochen noch für dieses Datum eine erneute Demonstration in der Berliner Innenstadt angemeldet. Der genaue Ort sollte noch geheim gehalten werden. „Wir haben auch in West-Berlin gute Erfahrungen gemacht“, wird der Berliner NPD-Landesvorsitzende Eckhard Bräuniger im „Tagesspiegel“ zitiert. Doch wenige Tage später hatte die Partei die Demonstration wieder abgesagt. Der Verzicht sei taktisch begründet, so Bräuniger. In früheren Jahren meldete die NPD schon zur Verwirrung der Gegner an mehreren Orten Aufmärsche an. Selbst unmittelbar vor dem 1. Mai war oft noch nicht klar, wo demonstriert werden sollte. Auch in diesem Jahr schien diese Taktik geplant und wurde durch eine Kommunikationspanne obsolet. Wer sich bei der NPD nach der genauen Route erkundigte, erhielt gesagt, dass in Berlin gar keine Demo stattfinden soll. Wenig später machte diese Meldung im Internet die Runde und erst danach wurde die Absage bestätigt.
Jetzt soll Erfurt zentraler Ort für den braunen Mai-Aufmarsch werden, den parteifreie Kameradschaften und NPD gemeinsam planen. Die Grundlage für diese Zusammenarbeit hat Christian Worch mit der Absage der alljährlich von ihm geleiteten Demonstration in Leipzig gelegt. Der oft als Gegner der NPD-Führung agierende Worch setzt dieses Mal auf eine Koordination zwischen NPD und parteifreien Kräften. Worchs Kompromissbereitschaft dürfte auch Kritik geschuldet sein, die sein Demotourismus ausgelöst hat, zumal die Aufmärsche immer öfter wegen großer Gegenwehr vorzeitig abgebrochen werden mussten. Auch anderswo, unter anderem in Dortmund, sind rechte Aufmärsche am 1. Mai geplant. Parteifreie Nationalisten in Nordrhein-Westfalen mobilisieren unterstützt vom NPD-Landesverband, den Jungen Nationaldemokraten und der Niederländischen Volksunion zum „Tag der nationalen Arbeit“ nach Dortmund. In dem Aufruf wird unter dem Stichwort „Auf zu neuen Ufern“ antikapitalistische Rhetorik mit Angriffen auf die Gewerkschaften verbunden.
Peter Nowak