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ND22.03.07Information und Engagement
Ein Hörbuch erinnert an den US-Journalisten Mumia Abu Jamal
Von Peter Nowak
In der letzten Zeit war es in Deutschland stiller geworden um Mumia-Abu-Jamal. Der afroamerikanische Radiojournalist sitzt seit 1982 in der USA in einer Todeszelle. Ihm wird die Erschießung eines Polizisten vorgeworfen. Zu Unrecht, wie er immer wieder beteuert. In den 90er Jahren hat eine große Solidaritätskampagne in den USA und in aller Welt nachgewiesen, dass das Urteil nichts mit Gerechtigkeit, aber viel mit weißem Rassismus zu tun hat. Doch das Leben von Mumia ist noch längst nicht gerettet. In den nächsten Monaten wird die wichtige Anhörung stattfinden, die darüber entscheidet, ob die Staatsanwaltschaft ihn doch noch hinrichten lassen oder lebenslänglich wegsperren kann. Oder ob sich Mumias Anwälte mit der Forderung nach einem neuen Prozess durchsetzen können, der ihrer Auffassung nach nur mit einem Freispruch enden kann.
Ein von dem Heidelberger Universitätsdozenten Michael Schiffmann herausgegebenes Hörbuch kann dazu beitragen, dass Mumias Fall auch in Deutschland wieder stärker ins Blickfeld gerückt wird. Schiffmann macht an kurzen Texten deutlich, wie aus dem schwarzen Jugendlichen Weeslie Clark der Aktivist Mumia Abu Jamal wurde. Es wird beschrieben, wie er als Jugendlicher auf seiner ersten Demonstration von der Polizei so schwer misshandelt worden war, dass ihn seine eigene Mutter beim Besuch im Krankenhaus nicht erkannt hat. Ein weißer Polizist hatte ihm seinem Stiefel mitteln ins Gesicht getreten. Das waren Erfahrungen, die Mumia an die Seite der Black Panther Party brachte. Schiffmann machte in einem kurzen historischen Abriss deutlich, wie die US-Polizei führende Aktivisten der Black Panther Bewegung in ihrem Betten liquidierte. Der junge Mumia Abu Jamal machte diesen Staatsterror in der Presse der schwarzen Bewegung öffentlich und zog sich so auch früh den Hass des Etablissements zu. Seine Akte beim FBI umfasste mehr als 800 Seiten. Schiffmann zeigt an konkreten Beispielen auf, dass die USA schon längst auf dem Weg der Gefängnisgesellschaft vor allem für Menschen mit nichtweißer Hautfarbe und für Menschen mit geringem Einkommen sind. »Man wird in den Todeszellen keine Millionäre finden«, so der Autor. Fast mit juristischer Akribie seziert er den Fall, der Mumia in die Todeszelle brachte und auch das Prozedere, das Mumias Leben noch retten kann. Hier hätte an manchen Stellen eine musikalische Einlage zur Auflockerung beigetragen.
Das einstündige Hörbuch liefert Informationen, für die man sonst dicke Bücher lesen muss. Schiffmann nennt Mumia ein weltweites Symbol einer »Demokratie von unten«, der nur von einer breiten Massenbewegung aus der Todeszelle befreit werden kann. Wenn sich die parlamentarische Bewegung wieder stärker als in den letzten Jahren für Mumia engagiert.
Bestellung über: Ausnahms-Weise e.V. Mumia Abu-Jamal CD-Hörbuch, Weisestr. 53,12049 Berlin oder über free.mumia@gmx.net, es kostet 7 Euro.