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ND12.10.2007BrandenburgMilitärstudium an der Universität
Kampagne gegen Wehrpflicht moniert Kooperation mit Armee / Hochschule weist Vorwürfe zurück
Von Peter Nowak
»Bundeswehr raus aus der Universität«, fordern antimilitaristische Gruppen. Sie wollen heute um 16 Uhr vor dem Neuen Palais gegen die Einführung des Studienganges Military Studies an der Universität Potsdam protestieren.
Die Hochschule lädt zu diesem Termin alle Studienanfänger des neuen Masterstudiengangs zu einer ungezwungenen Begrüßungsfeier ins Haus 11 ein. Wenn es nach den Kritikern geht, zu denen die Potsdamer Kampagne gegen Wehrpflicht gehört, dürfte es dort manche heiße Diskussion geben.
Die Antimilitaristen monieren vor allem, dass der neue Masterstudiengang in Kooperation mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr (MGFA) und dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr (SOWI) angeboten werde. Sie befürchten, dass diese beiden in Potsdam bzw. Strausberg ansässigen Institutionen der Armee dadurch auch zunehmend Einfluss auf die Lehrinhalte bekommen könnten.
Dabei verweisen sie darauf, wie SOWI-Direktor Ernst-Christoph Meier den Zweck seines Instituts beschreibt: »Kernauftrag ist es, dem Bundesministerium der Verteidigung wissenschaftliche Erkenntnisse als Entscheidungshilfe zur Verfügung zu stellen.«
Die beiden Einrichtungen sind durchaus verknüpft mit der zweifelhaften Strategie, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen. Die Historiker des MGFA erarbeiten Hintergrundmaterial für Auslandseinsätze der Truppe, informieren darin über Geschichte und Landeskunde von Afghanistan oder Kosovo. Die Sozialwissenschaftler des SOWI erforschen die Kampfmoral bei Auslandseinsätzen oder das Image des Heeres.
Die Antimilitaristen bezweifeln, dass im Rahmen des Studiums - wie angekündigt - kritisch die Rolle des Militärs in der Gesellschaft analysiert wird. Diese Zielstellung der Military Studies hebt der Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam, Bernhard Kroener, ausdrücklich hervor. Es gehe um kritische Wissenschaft und nicht um Propaganda für die Bundeswehr, versichert er. »In einer Zeit, in der Militäreinsätze nicht mehr in Hinterzimmern, sondern in der Mitte der Gesellschaft diskutiert werden, muss sich auch die Hochschule dieser kritischen Debatte stellen.« Der Dekan verweist darauf, dass »Militärsoziologie« und »Militärgeschichte« schon seit mehreren Jahren an der Potsdamer Universität gelehrt werden. Bisher habe es von den Studierenden nie die Kritik gegeben, dass dort einseitig Propaganda für die Bundeswehr gemacht werde.
Die von den Antimilitaristen kritisierte Kooperation mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt und dem Sozialwissenschaftlichen Institut hält Kroener für wissenschaftlich unbedenklich. Es handele sich dabei um anerkannte Forschungseinrichtungen, die sich in der Vergangenheit mit ihren Arbeiten einen guten Ruf erwarben. Der Debatte mit den Kritikern bei der Eröffnungsveranstaltung sieht der Dekan gelassen entgegen. Sie sind herzlich eingeladen, betont er.