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Frankfurter Rundschau vom .26.3.07Staatenloser erhängt sich am Flughafen
Nach fünf Jahren Aufenthalt im Transitbereich in Bukarest begeht ein Rumäne Selbstmord / Familie lebte zuvor in Wiesbaden
Der 2002 aus Wiesbaden abgeschobene Marin Mogos hatte sich aus Angst vor erneuter Verfolgung seiner Familie durch Sicherheitsdienste strikt geweigert, nach Rumänien einzureisen.
Wiesbaden/Bukarest - Sein dringlichster Wunsch ging für Marin Mogos nicht in Erfüllung. Der staatenlose Rumäne wollte wieder zurück nach Wiesbaden, wo er mit seiner Frau und seinen drei Kindern bis zum 7. März 2002 gelebt hatte. Die Familie hatte sich strikt geweigert, nach Rumänien einzureisen, auch als mit der Abweisung einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sämtliche juristischen Mittel ausgeschöpft waren.
Mehr als fünf Jahre lebten die Mogos in einer kleinen Hütte im Transitbereich des Bukarester Flughafens Otopeni. In der vergangenen Woche hat sich Marin Mogo dort mit einem Draht erhängt. Die Nachricht wurde über einen in Rumänien lebenden deutschen Studenten bekannt, der die Familie in ihrem Flughafenasyl betreut hatte und die Todesmeldung in den Medien erfahren hat.
Damit rückt das Drama um die abgeschobene Familie noch einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit - auch in Deutschland. Es begann in den frühen Morgenstunden des 7. März 2002, als Marin Mogo und seine drei Kinder in ihrer Wiesbadener Wohnung aus dem Schlaf geklingelt wurden. Sie wurden mit Handschellen gefesselt zum Flughafen gebracht und nach Bukarest geflogen. Wenige Stunden später folgte in einer anderen Maschine die an Depressionen leidende Ehefrau Anistara Mogo, die sich an dem Morgen nicht in der Wohnung aufgehalten hatte. Augenzeugen berichteten, dass BGS-Beamte den aufgeregten Marin Mogo mehrmals mit einer Pistole bedroht hatten.
Sämtliche Asylanträge abgewiesen
Die Mogos waren 1990 in der Endphase des Ceausescu-Regimes nach Deutschland geflohen. Zuvor waren sie von der Geheimpolizei Securitate bedroht und drangsaliert worden. Die Familie hatte immer wieder deutlich gemacht, dass sie unter keinen Umständen in Rumänien leben will und ihre rumänischen Pässe abgegeben. Seitdem waren sie staatenlos. Trotzdem waren ihre Asyl- und Duldungsanträge durch sämtliche Gerichtsinstanzen zurückgewiesen worden.
Der langjährige Aufenthalt auf dem Flughafengelände war nach Angaben der wenigen Besucher mit großen Entbehrungen verbunden. Die Versorgung mit Lebensmitteln sei oft unzureichend gewesen und Marin Mogo habe häufig nicht genügend Medikamente für sein Diabetes-Behandlung erhalten. Hinzu seien Beschimpfungen und Drohungen des Sicherheitspersonals gekommen.
Nach dem Freitod von Marin Mogo fordern hessische Flüchtlingsinitiativen als humanitäre Geste ein Rückkehrrecht der restlichen Familie. Peter Nowak