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ND29.06.07 Krach bei IBM
Leistungslohn soll eingeführt werden
Berlin (ND-Nowak). Ver.di mobilisierte gestern zu einem Aktionstag an allen deutschen IBM-Standorten – von Chemnitz bis Stuttgart. Damit wollte ver.di gegen die Streichung des Urlaubsgeldes protestieren. Die im letzten Jahr vom Konzern beschlossenen Kürzungen treten jetzt in Kraft. Das bisher jährlich Ende Juni gezahlte Urlaubsgeld wird in diesem Jahr erstmals ausfallen. Für den Tarifexperten von ver.di im IT-Bereich, Rolf Schmidt, ist diese Lohnsenkung »nicht hinnehmbar«.
»Während der Umsatz von IBM im ersten Quartal um zehn Prozent gestiegen ist, gehen die Beschäftigten mit einem um fünf Prozent gekürztem Jahresgehalt nach Hause«, sagt Schmidt. Der Aktionstag soll die Mitarbeiter auch auf die Tarifrunde einstimmen. Die Gespräche sollen in der zweiten Juli-Woche fortgesetzt werden.
Laut Schmidt wird die Gewerkschaft das Urlaubsgeld zum Thema in der nächsten Lohn- und Gehaltsrunde machen. »Da muss es einen Ausgleich für die Kürzungen geben.« Auch sonst wird die gewerkschaft mit ehrgeizigen Forderungen in die Tarifrunde gehen. Dazu gehören eine tarifliche Mindestabsicherung der Sonderzahlungen und des Urlaubsgelds, eine Erhöhung der Ausbildungszahlen im Jahr 2008, ein Ausgleich für die Studiengebühren, die Übernahme der Auszubildenden sowie eine Verlängerung des Altersteilzeittarifvertrags bis 2009.
Allerdings geht der Tarifexperte der Gewerkschaft von langen Auseinandersetzungen aus. Denn schon Anfang April 2007 hat der Vorsitzende der IBM-Geschäftsführung Martin Jetter seinerseits ein neues Vergütungssystem angekündigt, das bei Mitarbeitern für Unmut sorgt. Im Firmenjargon wird von einer marktgerechten Gehaltserhöhung oder der Bezahlung für Leistungsträger gesprochen. Danach sollen wenige mehr, aber viele weniger verdienen, befürchtet Rolf Schmidt. »Das läuft frei nach dem Motto: Wer nicht die Gnade einer guten Führungskraft hat, schaut in die Röhre und wird im Zweifel aus dem Unternehmen gemanagt.«
In den USA ist dieses leistungsorientierte Bezahlungssystem zum Juni 2007 in Kraft getreten. Ver.di will eine Übernahme in Deutschland verhindern. Doch zunächst geht es um das Sammeln eigener Kräfte. Dazu diente auch der Aktionstag. »Es ist allgemein bekannt, dass die Gewerkschaft bei IBM nicht so stark ist wie bei der Telekom«, meint Schmidt. Das zeigt die anstehenden Schwierigkeiten. Schließlich wird das Telekom-Ergebnis allgemein eher als Niederlage gesehen.