[Index] [Nowak] [2006] [2007]

ND27.07.07Labournet hat Geldsorgen
Internetplattform sucht Förderabonnenten
Die links-gewerkschaftliche Onlineplattform Labournet hat Geldsorgen. Wegen Spätfolgen der Polizeirazzia vor zwei Jahren – und Abmahnungen wegen der Dokumentation gewerkschaftlicher Presseerklärungen.
Berlin (ND-Nowak). »Seit zwei Jahren fehlen uns mehrere tausend Euro«, sagt Mag Wompel. Die Soziologin gehört zu den Betreibern von Labournet, einer Internet-Informationsstelle und Diskussionsplattform für »Ungehorsame mit und ohne Job«.
Erstens hat eine Polizeirazzia im Jahr 2005 (ND berichtete) noch immer Spätfolgen. Damals wurden u.a. Computer beschlagnahmt. Die Maßnahme wurde später gerichtlich verworfen, doch auf den Mehrkosten blieb Labournet sitzen. Problematisch sei auch die »zunehmende Prekarisierung der Nutzer«: langjährige Förderabonnenten kündigen wegen Hartz IV-bedingten Geldmangels. Andererseits klagt Wompel über mangelnde Solidarität aus Kreisen, die nicht jeden Cent umdrehen müssen: So würde die Plattform von gewerkschaftlichen und betrieblichen Initiativen rege genutzt. Die Internetplattform dokumentiert zahlreiche Belegschaftszeitungen und macht sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch Förderabos und Spenden seien gerade von dort rar, so Wompel.
Hinzu kommt, dass das Labournet inzwischen oft für gewerkschaftliche Pressemeldungen haftbar gemacht werde, die auf der Plattform dokumentiert sind. Seit Labournet auch von Suchmaschinen schnell gefunden wird, trudelt immer öfter Anwaltspost ins Haus. »Zur Zeit muss ich mich mit 6 Abmahnungen herumschlagen«, so Wompel. Neben den finanziellen Belastungen ist damit immer auch viel Arbeit verbunden.
Auch diesbezüglich kritisiert die Soziologin die Gewerkschaften. Die würden teils ihre eigenen Presseerklärungen nicht mehr ins Internet stellen, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Wenn Labournet dann wegen der Dokumentation abgemahnt wird, drängten gewerkschaftliche Justiziare oft darauf, geforderte Unterlassungserklärungen zu leisten. »Dann müsste ich mich verpflichten, nie mehr über das Unternehmen zu veröffentlichen. Darauf lasse ich mich aber nicht ein.«
Es reiche schon als Grund für eine Abmahnung, dass ein Firmenchef als Kapitalist bezeichnet wurde. In einem anderen Fall erfolgte eine Abmahnung, weil das Verhalten eines Unternehmens in einer Tarifauseinandersetzung als Erpressung der Mitarbeiter klassifiziert wurde.
Die Existenz von Labournet sei nicht gefährdet, selbst wenn der Aufruf ohne Resonanz bleibe, so Wompel. Die Arbeit würde aber leiden. So müsste ein Mitarbeiter, der verschiedene Fremdsprachen spricht, entlassen werden. Ferner könnte man zum Gebühreneinzug für den bisher kostenfreien Newsletter gezwungen sein.