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ND03.07.07Zwischen Rebellion und Utopie
Ein sehenswerter Film zeigt die Dynamik der Kommune von Oaxaca
Von Peter Nowak
Der Film »Oaxaca – zwischen Rebellion und Utopie« zeigt den Kampf der
Volksversammlung der Völker Oaxacas (APPO) gegen staatliche Repression und den Alltag in den Camps, lässt Menschen der verschiedenen Sektoren der Bewegung zu Wort kommen.
Die Polizeiaktion führte zu einer breiten Solidarisierung der Bevölkerung: Am 14. Juni 2006 wurde in der Stadt Oaxaca im gleichnamigen mexikanischen Bundesstaat ein Protestcamp der streikenden Lehrer geräumt, die für bessere Löhne und soziale Verbesserungen für ihre Schüler kämpften. Die Bevölkerung schloss sich daraufhin in der APPO (Volksversammlung der Völker Oaxacas) zusammen. Sie fordert nicht nur die Absetzung des für die Repression verantwortlichen Gouverneurs Ulises Ruiz Ortiz, sondern hat auch weitreichende Vorschläge für eine neue Verfassung und Reformen erarbeitet.
Der Film »Oaxaca – zwischen Rebellion und Utopie« zeigt den Kampf der APPO und den Alltag in den Camps, lässt Menschen der verschiedenen Sektoren der Bewegung zu Wort kommen. Er zeigt aber auch die brutale Repression, der die sozialen Bewegungen Oaxacas ausgesetzt sind und die schon mehrere Todesopfer gefordert hat. Das bekannteste Opfer war Brad Will, ein Indymedia-Aktivist aus New York, der beim Filmen von Todesschwadronen des Gouverneurs erschossen wurde. Der Film zeigt auch, wie die alte Macht schließlich nach Monaten den Aufstand der Bevölkerung unterdrückte. Hat sich also die alte Macht gänzlich durchgesetzt? Die Aktivisten bleiben optimistisch. »Wenn es gelingt, das, was bei uns begonnen hat, weiterzutragen, kann die kurze Zeit der Kommune von Oaxaca in die Geschichte eingehen, als der Beginn von etwas Neuem«.
Der Film zeigt die innere Dynamik einer Bewegung, die unterschiedlichen Wünsche und Hoffnungen, die die Menschen mit ihren Engagement verbanden. Auch die politischen Ansichten waren denkbar unterschiedlich. Da waren Indigene, die nach Generationen der Verachtung und Ausgrenzung ihre Würde einforderten. Da waren Jugendliche, die neue Formen der Kultur und der Selbstorganisation ausprobieren konnten. Da waren schließlich die streikenden Lehrer und andere Gewerkschafter, die die ganze Dynamik der Bewegung ausgelöst hatten. Im Film wird auch deutlich, dass es Momente gab, wo ihnen der ganze Prozess über den Kopf wuchs. Sollten sie sich ausschließlich auf das Feld der Tarifverhandlungen begeben oder sollten sie Teil eines größeren politischen Zusammenhangs zur Umgestaltung der Gesellschaft werden? Der Film zeigt, wie es der Bewegung gelang, solidarisch mit den Differenzen umzugehen. Den Filmemachern gelingt eine gute Innenansicht einer Bewegung. Er kann dazu beitragen, dass die Kommune von Oaxaca auch bei uns nicht vergessen wird. Schließlich kann er auch Solidarität mit den Verfolgten erzeugen. Noch immer sind viele Aktivisten im Gefängnis oder leben versteckt, um sich einer Verhaftung zu entziehen.
Preview: Heute im Kino Central, Rosenthaler Straße 39, Berlin-Mitte, 20 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin Miriam Fischer, weitere Termine 06. Juli, 22:15 Uhr und 10. Juli, 20 Uhr.