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telepolis vom 3.12.07 Ex-Beobachtete gegen aktuell Beobachtete
Peter Nowak
Die Wochenzeitung Junge Freiheit sieht sich selber als Auslöser der
Kampagne gegen die neue Juso-Vorsitzende
Die vor knapp einer Woche gewählte Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel
(1) ist aus der Rechtsschutzorganisation "Rote Hilfe" (2) ausgetreten.
Damit gab sie wachsendem Druck nach. Nicht nur die Junge Union und die
CDU/CSU forderten Drohsels Austritt - auch bei den Jusos und in der
SPD (3) hatte es vermehrt Stimmen gegeben, die der gerade erst
gewählten Juso-Vorsitzenden einen Austritt aus der "RH" oder zumindest
eine ruhende Mitgliedschaft nahe legten.
Auch die SPD-nahe Frankfurter Rundschau hatte am Samstag deutliche
Worte für Drohsel gefunden. "Raus aus dem Verein", war ein Kommentar
(4) überschrieben, in dem die "RH" als Unterstützerorganisation der RAF
bezeichnet wurde.
Der Pressesprecher der "Roten Hilfe" Matthias Krause wies diese
Vorwürfe zurück (5) und betonte dabei:
--Die Solidarität der Roten Hilfe gilt strömungsübergreifend allen
Menschen, die wegen ihres linken politischen Engagements von der Justiz
verfolgt und mit Verfahren überzogen werden.--
Dazu gehöre, so Krause, auch die Forderung nach der Freilassung der
verbliebenen Strafgefangenen aus der RAF. Die "Rote Hilfe" sei aber
weder einer Partei noch einer politischen Strömung verbunden, betonte
der "RH"-Sprecher. Auch der Historiker und Journalist Nick Brauns (6)
weist in seiner Studie über die Geschichte des Vereins darauf hin, dass
er bereits in den 1920er Jahren von Kommunisten, linken
Sozialdemokraten und parteilosen Intellektuellen gegründet und in den
1970er Jahren von maoistischen Gruppen wiederbelebt wurde, die so
einiges an bizarren Vorstellungen im Kopf hatten, aber nicht mit der
RAF sympathisierten. Mit dem Niedergang der Maoisten Ende der 1970er
Jahre wurde die "RH", so Brauns, wieder zu einem überparteilichen
Hilfsverein.
"RH"-Sprecher Krause bezeichnet die Aufregung über Drohsels
Mitgliedschaft als gelungenes Zusammenspiel zwischen Konservativen und
der Zeitung "Junge Freiheit" (7), die sich erst vor einiger Zeit das
Recht erklagte, nicht im Verfassungsschutzbericht aufgeführt zu werden.
Tatsächlich skandalisierte die Wochenzeitung die Vereinsmitgliedschaft
von Drohsel, aus der diese nie ein Geheimnis gemacht hatte, als erstes
Medium (8). Im Anschluss berichtete die "JF" auf ihrer Internetseite
täglich über den ständig wachsenden Druck auf die Juso-Vorsitzende und
reihte die Politiker auf, die sich zu Wort meldeten.
Dabei ließ die "JF" keineswegs unerwähnt, dass sie selber federführend
daran beteiligt war, die Kampagne zu entfachen. In ihrer jüngsten
Ausgabe vermeldete die Zeitung, die aus ihrer eigenen Geschichte sehr
umfassende Erfahrung mit solchen Vorwürfen hat, Drohsels Mitgliedschaft
in der "RH" beweise ihre Verbundenheit mit dem linksextremen Spektrum.
In den Mainstream-Medien wurde die Rolle der "JF" in der Kampagne
dagegen selten erwähnt. Möglicherweise hat man dort Angst, dass die
Tatsache, dass man die Kampagne so reibungslos übernahm, vielleicht
darauf hinweisen würde, dass eine Verbundenheit mit einem Spektrum
besteht, das bis vor kurzem vom Verfassungsschutz beobachtet wurde?

LINKS

(1) http://www.berlin.spd.de/servlet/PB/menu/1673563/index.html
(2) http://www.rote-hilfe.de/
(3)
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/deutschland/506
646
(4)
http://www.rote-hilfe.de/news/kampagne_gegen_franziska_drohsel_initialzu
endung_von_rechtsaussen_und_verfassungsschutz
(5)
http://www.rote-hilfe.de/news/kampagne_gegen_franziska_drohsel_initialzu
endung_von_rechtsaussen_und_verfassungsschutz
(6)
http://www.nikolaus-brauns.de/html/bucher.html
(7) htttp://www.jungefreiheit.de/
(8)
http://jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M53669dd67b1.0.html