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NDE05.07.07Auf dem Weg zur Jungle Welt?
Jungle World – eine Wochenzeitung wird zehn Jahre alt
Von Peter Nowak
Die Jungle World hat Geburtstag – zehn Jahre sind genug.« Mit dieser Überschrift auf dem Titelblatt der aktuellen Doppelnummer sorgt die Wochenzeitung aus Berlin für Aufmerksamkeit. Doch nicht die Einstellung, sondern ein Relaunch des Blattes wurde angekündigt. Ab dem 12. Juli wird die Zeitung in neuem Format erscheinen. Die links-undogmatische Linie des Blattes sei von der Änderung nicht betroffen, heißt es aus der Redaktion. Doch was links ist, wird in der Jungle-World-Redaktion äußerst kontrovers diskutiert, wie die Jubiläumsnummer zeigt. Einen Konsens scheint es nur in der Haltung zur »jungen Welt« zu geben. Mit der Berliner Tageszeitung, aus der die Jungle World nach einem heftigen Streit und einer Redaktionsbesetzung 1997 entstanden ist, will man weiterhin nichts zu tun haben.
Stellenweise hat man den Eindruck, dass die Differenzen in den zehn Jahren noch größer geworden sind. Die Jungle World jedenfalls betont, dass sie politischen Bewegungen nicht nach dem Mund reden will. So prangerte man bei der Bewegung gegen den Irakkrieg anti-amerikanische Tendenzen an. Bei der globalisierungskritischen Bewegung wird ein verkürzter Antikapitalismus diagnostiziert und in den Protesten gegen Hartz IV sahen manche Jungle-World-Redakteure eher eine Bewegung für ehrliche Lohnarbeit. Diese Kritik mag viele Bewegungslinke ärgern. Doch ein großer Teil der Jungle-World-Leserschaft gerade aus dem akademischen Bereich sieht die Zeitung eher als Organ für politische und kulturelle Diskurse und sieht in der Bewegungsferne eine Stärke.
Die Frage, wie hält es die Jungle World mit dem Springerkonzern, bleibt in der Jubiläumsausgabe ausgespart. Dabei hätte der Gastbeitrag, den Innenpolitik-Ressortleiter Stefan Wirner am 5. Juni in Springers rechtskonservativer »Welt« geschrieben hat, sicher Stoff für Kontroversen geboten. Unter der Überschrift »Ein linkes Plädoyer, sich der Wirklichkeit zu stellen« sah er die Verantwortung für die Auseinandersetzungen nach der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel am 2. Juni in Rostock bei den Autonomen. Der LINKEN, ihrer Jugendorganisation solid, aber auch der Gefangenhilfsorganisation Rote Hilfe warf Wirner vor, die Polizei grundlos der Eskalation beschuldigt zu haben. Dieser ganz in der Diktion des Springerblattes geschriebene Beitrag fand bis auf einige kritische Anmerkungen von Cheflektor Klaus Behnken in der Zeitung keine kritische Reflektion. Zuvor hatte schon Richard Herzinger von der »Welt am Sonntag« in der Jungle World die russische Regierung beschuldigt, den Westen unter Druck zu setzen und die Demontage eines antifaschistischen Denkmals in Estland verteidigt. Auch dazu blieb eine kritische Diskussion in dem Blatt aus. Schon fragen sich Beobachter im Internet, ob die Zukunft der Jungle World etwa in der Jungle Welt liegt.