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Telepolis vom 23.1.07Indymedia Italien: Schwierigkeiten mit der Offenheit Peter Nowak Die seit Wochen selbstverordnete Pause des unabhängigen Nachrichtenportals in Italien verweist auf (Moderations)Probleme, die in allen offenen Foren auftauchen Wer die Webseite des italienischen Zweigs von Indymedia (1) anklickt, wird dort seit einigen Wochen die neuesten Informationen über Demonstrationen und soziale Aktivitäten vergeblich suchen. Dafür findet sich auf der Startseite eine kurze Meldung, dass die Verantwortlichen die Seite vom Netz genommen haben. Es war allerdings nicht die staatliche Repression, die zu diesem Schritt führte. Noch in der Berlusconi-Ärä wurde gegen vermeintliche Verantwortliche für das Internet-Netzwerk immer wieder vorgegangen (2). Höhepunkt war der brutale Überfall auf Indymedia-Aktivisten (3) während des G8-Gipfels im Juli 2001 in Genua. Damals wurde Indymedia-Italien weltweit bekannt. In den folgenden Jahren hatte Indymedia Italien dafür gesorgt, dass die Vorkommnisse während des Gipfels auch international nicht in Vergessenheit gerieten. So hat es noch im Dezember mit dazu beigetragen, dass die Aussage von Mario Placanica (4) weltweit bekannt wurde. Der Carabineri soll den Demonstranten Carlo Giuliani während der Demonstration erschossen haben. Einer kleinen italienischen Zeitung gab er ein Interview, in der er seine Täterschaft bestritt. Das Interview machte dank Indymedia Italien schnell weltweit die Runde. Nur wenige Tage danach aber begann die bis heute andauernde selbstverordnete Denkpause. "6 Jahre nach seiner Entstehung muss sich Indymedia-Italien über seine Zukunft als Medium klar werden. Für diesen Neubeginn braucht es Stille und eine gründliche Diskussion", schrieben die Indymedia-Moderatoren. Über den gegenwärtigen Stand oder gar erste Ergebnisse der Debatte ist allerdings noch nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Das ist umso erstaunlicher, weil doch Transparenz und Basisdemokratie eigentlich zu den Grundprinzipien des weltweiten Indymedia-Netzwerkes gehören. Den deutschen Indy-Moderatoren (5) bleibt da nur das Prinzip Hoffnung: "Wie es mit Indymedia Italien in Zukunft weitergeht, wird sich zeigen. Wahrscheinlich wird es erneut von Null starten, sobald sich genug Leute gefunden haben, die das Projekt fortsetzen wollen. Wann dies allerdings passiert ist völlig offen." Neuverortung in Bewegung "Indymedia Italien ist nicht wegen nicht zu bewältigender Probleme offline, sondern es organisiert sich neu", betont Pete von Indymedia Deutschland. Es gehe um die Verortung von Indymedia in den sozialen Bewegungen. Im deutschen Indymedia-Zweig würden die Debatten um diese Verortung schon länger geführt, hätten aber nicht zu einem solch drastischen Einschnitt wie in Italien geführt. Das läge auch an den unterschiedlichen Moderationskritieren, über in Deutschland von Beginn an diskutiert worden sei. In Italien habe die Debatte erst später begonnen. Dabei geht es um die Frage, ob alle eingehenden Texte auch online gestellt werden oder ob die Moderatoren nach selbst geschaffenen Kriterien (6) eingreifen können. Diese Frage begleitete das Indymedia-Projekt von Beginn an. Während in einigen Ländern jeder Eingriff der Moderatoren als Verstoß gegen das Prinzip des Open-Posting abgelehnt wurde, hat man im deutschsprachigen Raum Kriterien diskutiert und beschlossen, die eben diesem Prinzip Grenzen setzen. Bei Indymedia-Schweiz führte diese Debatte zu einer Zwangspause von einigen Wochen ( Vorübergehend geschlossen (7)). Hier ging es vor allem um rassistische und antisemitische Texte, die gelöscht wurden sollten. Bei Indymedia Deutschland achtet man auch darauf, dass die geposteten Texte selbst geschrieben und nicht aus anderen Medien kopiert wurden. Das Prinzip von Copy&Paste wurde auch in Italien zunehmend zum Problem und war ein Grund für das Pausieren. Auch die Internetfehde, die sich Fans konkurrierender Fußballvereine auf Indymedia-Italien lieferten und das Netzwerk damit schon mal lahm legten, wäre mit den strengeren Moderationsregeln in Deutschland zu verhindern gewesen. Dass die technische Entwicklung Indymedia mittlerweile über Indymedia hinweg gegangen ist, bestreitet Pete. Zur Zeit werde in vielen Ländern an einer Art Verschmelzung zwischen Weblogs und Indymedia-Netzwerk gearbeitet. In Mexiko (8) sei die Entwicklung schon weit fortgeschritten. Sven aus der Berliner Indymedia-Gruppe kann auch nicht erkennen, dass das Netzwerk weniger genutzt wird. Im Gegenteil: "Wenn man sich die Zahl der Artikel und auch die Breite des Spektrums ansieht, dann scheint Indy.de im letzten Jahr an Bedeutung gewonnen zu haben." Während sich die Repräsentanten von linken und sozialen Gruppen noch immer eher an den herkömmlichen Medien orientieren, sehe es an der Basis anders aus. "Dort würde verstanden, dass Indymedia kein journalistisches Serviceteam und auch kein virtueller Flugblattständer ist, sondern ein Medium zur Verbreitung eigener Berichte."
LINKS
(1) http://italy.indymedia.org/ (2) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11894/1.html (3) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/9/9161/1.html (4) http://de.indymedia.org/2006/12/163436.shtml (5) http://lists.indymedia.org/pipermail/imc-germany/2006-December/1201-2d.h tml (6) http://de.indymedia.org/static/moderation.shtml (7) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11963/1.html (8) http://mexico.indymedia.org/tiki-index.php?page=ImcMexico |