[Index] [Nowak] [2006] [2007]

 Blick nach Rechts11/2007„Zukunft statt Globalisierung“
Der Protest gegen den G8-Gipfel verbindet NPD und Freie Kameradschaften.
Nicht nur linke Globalisierungskritiker, sondern auch rechte -Gegner bereiten sich auf den G8-Gipfel vor, der am 6. und 7. Juni in Heiligendamm stattfinden soll. Die NPD hatte in den letzten Wochen bei zwei „bundesweiten nationalen Aktionstagen gegen den Gipfel der Globalisierer“ mit Infoständen und Kundgebungen in verschiedenen Städten Präsenz gezeigt. Mit einem eigenen Faltblatt unter dem Titel „Globalisierung stoppen“ und einer Kampagnenzeitung, auf der das Motto „Jetzt reicht’s – Zukunft statt Globalisierung“ prangte, hat die NPD im Schulterschluss mit Freien Kameradschaften ihre Propaganda gegen den G8-Gipfel unter die Menschen gebracht.
Die zentrale Mobilisierung der Rechten konzentriert sich auf den 2. Juni in Schwerin. In der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern will die NPD Präsenz zeigen. „Hier sind die Augen der Weltöffentlichkeit auf Mecklenburg-Vorpommern gerichtet und damit auch auf unsere junge Fraktion im Schweriner Landtag. Wir werden alles daran setzen, um mit unserer Demonstration ein kraftvolles Zeichen gegen die Globalisierung zu setzen“, erklärte der NPD-Sprecher Klaus Beier: Schon in den vergangenen Wochen wurden viele Aktivitäten von NPD und Freie Kameradschaften mit dem Zusatz „gegen Globalisierung“ versehen. So organisierten in Wiesbaden Freie Kameradschaften gemeinsam mit der NPD am 12. Mai eine Mahnwache gegen den G8-Gipfel. Auch bei den verschiedenen rechtsextremen Demonstrationen am 1. Mai stand der Kampf gegen den G8-Gipfel im Vordergrund.
Über die Homepage
http://www.gib8.org/ mobilisieren die Rechtsextremisten für ihre „Kampagne des nationalen Widerstands gegen den G8-Gipfel“. Das ging wohl nicht ohne Querellen zwischen der NPD und den parteilosen Kameradschaften ab. Mittlerweile hat die NPD ausdrücklich betonen müssen, dass die Homepage entgegen mancher Meldungen nicht nur von der Partei, sondern von einem rechtsextremen Bündnis betrieben wird. Als Unterstützer der Kampagne „Zukunft statt Globalisierung“ sind neben diversen Untergliederungen von NPD und Jungen Nationaldemokraten auch zahlreiche Freie Kameradschaften, die Vereinigten Nationalisten Nordost aus Berlin, die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ sowie als Einzelperson der braune Barde Frank Rennicke aufgeführt.
Neben der eigenen Demonstration in Schwerin wollen sich die Rechtsextremisten nach einem Bericht der „Ostseezeitung“ auch unter die Massenproteste der globalisierungskritischen Bewegung am 2. Juni in Rostock mischen. Die NPD Mecklenburg-Vorpommern hat diese Aussagen im Kern nicht bestritten. Sie wehrt sich nur vehement dagegen, mit linken Autonomen auf eine Stufe gestellt zu werden. „Selbstverständlich ist es nicht ausgeschlossen, dass sich vereinzelt auch Nationalisten an den Protesten gegen den G8-Gipfel in Rostock beteiligen werden. Es ist jedoch absurd, diese bereits im Vorfeld für Randale und Sachbeschädigungen an Privateigentum verantwortlich machen zu wollen.“
Mit dieser Aussage will sich die NPD als gesetzestreue G8-Gegnerin hinstellen. Im Gegensatz dazu werden linke Globalisierungskritiker von der NPD als Krawallmacher hingestellt. So heißt es in einer Erklärung der NPD Mecklenburg-Vorpommern. „Die nationale und soziale Opposition bekennt sich klar gegen sinnlose, erlebnisorientierte Gewalt. Auch ist ihr Ansatzpunkt des Protestes ein anderer. Nicht eine Kultur von ‘Wanderdemonstranten’ kann die Globalisierung stoppen, sondern nur die Veränderung der maßgeblich dafür verantwortlichen Regierungen und Nationalstaaten. Daher wird am 2. Juni die NPD zusammen mit vielen parteiungebundenen Kameraden in Schwerin demonstrieren und sich nicht geschlossen an den Protesten in und um Rostock beteiligen.“ Damit schließt die NPD aber explizit nicht aus, dass sich Teile der rechtsextremen Szene an den Aktionen in Rostock beteiligen wollen.
Die Rechtsextremisten planen schon über den Gipfel hinaus. So ist für den 9. Juni ein weiterer „nationaler Aktionstag“ gegen Globalisierung geplant. Knapp einen Monat nach den G8-Gipfel, am 7. Juli, plant die NPD im Rahmen ihrer Antikapitalismuskampagne eine Demonstration in Frankfurt/Main. Dort soll die Schließung der Börse und der Erhalt des Sozialsystems nur für Deutsche gefordert werden.
Peter Nowak