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ND22.06.07Exzellenz und Elite
Von Peter Nowak
»Freiheit und Exzellenz setzen einander gegenseitig voraus. Deshalb war und ist die Freie Universität ein Ort der Exzellenz und wird es sein. Und aufgrund ihrer Exzellenz ist sie ein Garant für akademische Freiheit.«. Diese pathetischen Sätze stehen in einem Papier, mit dem sich die Leitung der Freien Universität (FU) Berlin für die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder bewirbt.
Doch der AStA der FU, der der Exzellenzinitiative kritisch gegenübersteht, berichtete in einer Pressemitteilung über die Grenzen der Freiheit. So sei ein Treffen der studentischen Anti-Exzellenz-Initiative im AStA-Gebäude von Zivilpolizisten beobachtet worden. Später habe der universitäre Sicherheitsdienst Kommilitonen auf dem Campus mit dem Einsatz von Elektroschockern gedroht. Man muss sich schon fragen, warum die Leitung einer Universität, die das Adjektiv 'frei' im Namen trägt, so unsouverän auf Kritik reagiert. Eigentlich könnte man erwarten, dass sie mit den protestierenden Studierenden in eine argumentative Debatte tritt.
Doch bei der Exzellenzinitiative zählen eben nicht in erster Linie wissenschaftliche sondern wirtschaftliche Kriterien. Da ist Kritik eher ein Standorthindernis, das man sich im Zweifel mit administrativen Mitteln vom Leibe hält. So hat gerade die Reaktion auf die Kritiker deren Argumente gegen die Exzellenzuniversität bestätigt.
Allerdings greift die Kritik an den Demokratiedefiziten zu kurz, wenn der Zusammenhang von Exzellenz und Elite nicht aufgegriffen wird. Die jüngst veröffentliche Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hat dazu Material geliefert. Demnach schaffen von 100 Kindern aus Nichtakademikerfamilien gerade mal 23 den Einstieg ins Studium, während 83 von 100 Akademikerkindern den familiären Bildungsstatus fortschreiben. Der Trend zur Elitebildung wird durch die Exzellenzinitiative ebenso forciert wie der Abbau von realer Demokratie.
Der Autor ist freier Journalist und lebt in Berlin.