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ND 25.05.07 Neuauflage für Euromärsche
Nach zehn Jahren wird Protestform anlässlich des G8-Gipfels wiederbelebt
Von Peter Nowak
Das G8-Treffen in Heiligendamm findet erst in knapp zwei Wochen statt – doch die Proteste dagegen haben schon begonnen.
In mehreren europäischen Ländern haben sich Menschen bereits per Fahrrad oder auch zu Fuß auf den Weg Richtung Heiligendamm gemacht. So startete in Frankreich am 12. Mai der Euromarsch gegen »Armut und Existenzunsicherheit«. Zu Beginn gab es in der französischen Auvergne Treffen mit dem lokalen Sozialforum sowie mit regionalen Attac-Gruppen, die sich gegen eine ungerechte Globalisierung wenden.
Zu der Schweizer Koordinierungsgruppe, die für die alemannische Route des Euromarsches verantwortlich zeichnet, gehören unter anderem das globalisierungskritische Netzwerk dissent, attac und die Gewerkschaft UNIA. Der Schweizer Euromarsch startete am Montag vor dem WTO-Hauptgebäude in Genf, wo der Zusammenhang von Welthandel, Marktöffnung und Migration thematisiert wurde. Nach mehreren weiteren Stationen in Schweizer Städten ist für Sonnabend der gemeinsame Grenzübertritt in Basel geplant. Anschließend geht es mit Autos und Bussen nach Freiburg, wo sich die Aktivisten dann in mehreren Etappen auf den Weg nach Heiligendamm machen wollen. Auf dieser Route wollen die Euromarschierer in mehreren Städten mit Aktionen auf sich aufmerksam. Die genauen Daten finden sich regelmäßig aktualisiert auf der Homepage http://www.euromarches.org/deutsch/index.htm.
Die regionalen Initiativen stellen die Infrastruktur für die Märsche. Die Aktivisten wollen auf ihrer Route mit möglichst vielen Menschen Gespräche über das G8-Treffen und die Folgen für die Menschen im Alltag führen. Darin sehen die Organisatoren auch den Hauptzweck des Marsches. »Wir müssen in unserem Alltag den sozialen Widerstand organisieren und bündeln«, meinte die langjährige Koordinatorin des Euromarsches Angela Klein.
Der letzte Euromarsch führte 1997 nach Amsterdam. Damals hatten sich fast 5000 Menschen in ganz Europa daran beteiligt. Die ursprüngliche Idee, jedes Jahr einen solchen Protestmarsch zu den jeweiligen Orten der EU-Gipfel zu organisieren, wurde bald fallen gelassen, weil der organisatorische Aufwand zu groß wurde. Dies ist der Grund dafür, dass es erst nach zehn Jahren zu einer Reaktivierung der Märsche kam. Politisch hat sich aus der Sicht der Organisatoren in dieser Zeit nichts zum besseren gewendet. »Wenn die Erwerbslosigkeit in den meisten Ländern der EU etwas abgenommen hat, so lag dies nur daran, dass es nur noch unsichere Arbeitsplätze gibt. Vollzeitarbeit mit angemessenem Lohn ist so gut wie nicht mehr zu haben«, heißt es in einem Mobilisierungsaufruf. Am 3. Juni wollen die Euromärsche in Rostock eine öffentliche Veranstaltung unter dem Titel »Über Europa hinaus« veranstalten. Dort soll auch ein europäisches Netzwerk gegen Armut und Prekarität ins Leben gerufen werden. Wenn die Initiative Erfolg hat, dauert es vielleicht nicht weitere zehn Jahre bis zum nächsten Marsch.