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telepolils vom 30.01.07Arbeiten für eine flache Welt Peter Nowak Dem Weltwirtschaftsforum gehen die Kritiker aus Die Kontinuitäten bei der jährlichen Tagung des Weltwirtschaftsforum (1) im Schweizer Davos nicht zu übersehen. Es ist immer die Elite aus Politik und Wirtschaft, die sich hier im mondänen Kurort mal ganz unverkrampft über die Probleme der Welt unterhält. Genau das mag WEF-Gründer Klaus Schwab im Sinn gehabt haben, als er das informelle Meeting der Reichen und Mächtigen der Welt 1971 aus der Taufe hob. Jahrelang wurde es als Managertreff mit leicht esoterischem Einschlag belächelt. Erst mit dem Aufstieg der globalisierungskritischen Bewegung zwischen 1999 und 2001 kam auch das WEF in das Blickfeld der Kritiker. Zwar gelang es den Gegnern nie, das WEF real zu blockieren. Das machen schon die Verkehrs-, Straßen- und Witterungsverhältnisse rund um den Schweizer Bergort unmöglich (2). Doch die Kritiker schafften es, das WEF politisch in die Defensive zu drängen ( Weltwirtschaftsforum vor dem Aus? (3)). Können und wollen wir uns ein solches Treffen leisten? Was haben wir in der Schweiz davon? Diese Fragen konnte man im Januar 2001 selbst in konservativen Schweizer Medien lesen. Die Legitimationskrise war so stark, dass das WEF im Jahr 2002 erstmals in seiner Geschichte die Schweiz verließ und in New York (4) tagte ( Von den Bergen in die Stadt (5)). Die offizielle Begründung lautete, man wolle nach den Anschlägen vom 11.September 2001 die Verbundenheit mit den USA betonen. Doch in der Schweiz war klar, dass der Weggang auch eine Reaktion auf die massive Kritik war, die es an dem Treffen mittlerweile gab. Wenn Schwab in diesem Jahr laut darüber nachdenkt, das nächste Mal in Jerusalem zu tagen, so wird kaum jemand die offizielle Begründung anzweifeln, dass man damit die Solidarität mit Israel ausdrücken wolle. Denn im Jahr 2007 kann in der Schweiz von einer Legitimationskrise des WEF wegen zu starker Kritik nicht mehr die Rede sein. Eher im Gegenteil. Die Schweizer Sonntagszeitung ist jedenfalls der Meinung, dass dem WEF die Kritiker abhanden gekommen sind und gerade deshalb ein Bedeutungsverlust eingetreten sei. "Das normalisierte WEF bleibt indessen aufschlussreich. Es gibt einen trefflichen Einblick in den Gemütszustand der Wirtschaftselite", schreibt der Sonntagszeitungs-Korrespondent. Vieles wurde beim WEF tatsächlich diskutiert, was den Politikern und Wirtschaftsleuten unter den Nägeln brennt. In dem Motto des diesjährigen WEF "Die Verschiebung des Machtgleichgewichts" hatte auch fast alle aktuellen politischen und wirtschaftlichen Erscheinungen genügend Platz, einschließlich dem Web 2.0. Um mit der Zeit zu gehen, ließ man auch bloggen (6). Im Vorfeld skizzierte (7) Schwab die Zielstellung des WEF so: --Wir müssen Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und der Zivilgesellschaft zusammenbringen, um neue Koalitionen zu bilden, die den Zustand unserer Welt verbessern und einen neuen kollektiven Willen formen. Vielleicht liegt eine gewisse Ironie darin, dass wir diese Woche in der steilen Bergwelt von Davos daran arbeiten werden, wie wir eine flachere Welt zu unser aller Wohl nutzen können!-- Die intellektuellere Variante dieser Zielsetzung lieferte der scheidende britische Premierminister Tony Blair, dessen Auftritt (8) in Davos von Kommentatoren als politisches Vermächtnis des Politikers interpretiert (9). "In Wirklichkeit erkennen heute die Nationen - auch die größten -, dass sie ihre engen nationalen Interessen nicht verfolgen könnten ohne Bezug auf umfassende globale Werte. "Sie sind gezwungen, anzuerkennen, dass Interdependenz das definierende Merkmal des beginnenden 21. Jahrhunderts ist", so Blair in seiner mit Begriffen wie Moral, Werte und Auftrag gespickten Rede. Wenn man gemeinsam die Welt retten will, steht der vielbeschworene Klimawandel an erster Stelle. Natürlich wird mittlerweile auch der ignoranteste Lobbyist der Ölindustrie den Klimawandel nicht mehr bestreiten. Doch über die Konsequenzen ist man sich keineswegs einig. Das wurde auch in Davos deutlich. Da wurde zwar viel darüber geredet, dass man jetzt handeln und mit der Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes beginnen müsse. Doch die vorher von manchen in Aussicht gestellte große Initiative ging von Davos nicht aus. Einige positive Beispiele wurden erwähnt. Dazu gehörte die Umweltpolitik des republikanischen Gouverneurs von Kalifornien Arnold Schwarzenegger, der sich damit deutlich von der Bush-Administration abhebt und einen Stimmungswandel in Sachen Umwelt in den USA signalisiert. Das wurde in Davos positiv registriert. Die Versicherungen, dass der erneuerbaren Energie die Zukunft gehören werde, aber dass sie nicht ausreiche, wenn jetzt gehandelt werden muss, ist nicht gerade neu. Meistens kommt dann der Hinweis, dass man deshalb aus der Kernenergienutzung nicht aussteigen könne. Genau so war die Erklärung auch in Davos gemeint. Sie wurde schon längst verstanden. In der Schweiz hat die Debatte über den Neubau von Atomkraftwerken (10) wieder begonnen. Wie die Klimapolitik wurden auch viele andere aktuelle Themen auf dem WEF abgehandelt. Gut, dass wir mal darüber geredet haben, könnte das Fazit lauten. So stand auch in diesem Jahr der Nahostkonflikt ganz oben auf der Agenda des WEF. Der Elder Statesman der israelischen Sozialdemokraten, Shimon Peres, der durchaus noch gute Chancen hat, seine politische Karriere mit dem Amt des israelischen Präsidenten zu beenden, brachte seinen Plan einer israelisch-arabischen Freihandelszone wieder in die Diskussion. Abermals war die Resonanz positiv und im nächsten Jahr dürfte es nicht anders sein. Nur die politischen Verhältnisse sind eben im Nahen Osten nicht so, dass eine Hoffnung auf Realisierung des Plans bestünde. Das kann auch ein WEF nicht ändern. Folter nicht ausgeschlossen Natürlich stand auch das Thema Terrorismusbekämpfung beim WEF hoch im Kurs. Eine auch im Rundfunk übertragene Debatte (11) trug den stolzen Titel: Die umfassende Antwort auf den Terrorismus (12). Schweizer Medien bemerkten hinterher erstaunt, dass selbst eine klare Ablehnung von Folter unter den Diskutanten kein Konsens war. Lediglich der Antiterror-Koordinator der Europäischen Union, Gijs M. de Vries, hatte bei der Debatte klar gemacht, dass Folter kein Mittel sein dürfe. Der pakistanische Premierminister Shaukat Aziz hatte das Reizwort erst gar nicht in Mund genommen. Schließlich ist ja nach Angaben (13) von Amnesty International in seinem Land Folter auf der Tagesordnung. Was aber die Reporter der Schweizer Medien erstaunte, waren die Aussagen des US-Politikers Michael Chertoff. Der war ebenfalls nicht zu einer klaren Distanzierung von Folter als Mittel der Aussageerpressung bereit. Das scheint auch für den Vertreter moralischer Werte wie Blair kein großer Widerspruch. Auch in dieser Hinsicht war das WEF ein gutes Spiegelbild der aktuellen Politik. Protest überschaubar Auch in diesem Jahr gab es in der gesamten Schweiz Proteste gegen das WEF. Höhepunkt war eine Demonstration in Basel (14), die mit nur knapp 1000 Teilnehmern das gesamte Spektrum der WEF-Kritiker umfasste. Die Aktionen zeigen, dass es weiterhin einen Kreis von Menschen gibt, die gegen das WEF auf die Straße gehen. Allerdings bestimmen die Proteste längst nicht mehr die politische Debatte. Das könnte auch an der mangelnden Bereitschaft der Teilnehmer liegen, sich genauer mit der Tagung zu befassen. Man liest die immer gleichen Verdikte gegen das Treffen. Doch ins Detail scheint man nicht gehen zu wollen. So fand man kritische Töne über die Diskussionsrunde, in der selbst Folter nicht geächtet wurde, eher in den bürgerlich-liberalen Medien als auf Flugblättern, die auf den Protestaktionen verteilt wurden.
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(1) http://www.weforum.org/en/index.htm (2) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14032/1.html (3) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4787/1.html (4) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11748/1.html (5) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11079/1.html (6) http://wef.typepad.com/blog/ (7) http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/710991.html (8) http://www.weforum.org/en/media/Latest%20Press%20Releases/BlairPress (9) http://www.nzz.ch/2007/01/28/al/articleEV7RY.html (10) http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID=17CD2E0A-DF54-4CBB-95FF9E38678453 9B&startpage=1&ObjectID=2B1C55BE (11) http://www.weforum.org/en/knowledge/KN_SESS_SUMM_18627?url=/en/knowledge /KN_SESS_SUMM_18627 (12) http://www.sf.tv/sf1/wef/manual.php?docid=20070125_tagesprogramm&nav=t25 (13) http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/51a43250d61caccfc1256aa1003d7d 38/6a05587cbae65845c12571a9004c1f69?OpenDocument (14) http://www.antiwef-basel.ch |