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telepolis vom 13.12.2007Abwahl eines Populisten Peter Nowak Der Erfolg der Gegner Christoph Blochers könnte sich auch als Pyrrhussieg herausstellen Vom Erdbeben in der Schweiz ist die Rede. Gestern wurde der populistische Politiker der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei (1) nicht mehr zum Justizminister gewählt. Die Gegner Blochers (2) von links bis in die Mitte schrieben einfach den Namen einer SVP-Politikerin auf den Wahlzettel, die eigentlich gar nicht zur Wahl stand. Eveline Widmer-Schlumpf (3) nahm nach kurzer Bedenkzeit die Wahl an. Damit ist der Rechtsaußen Blocher, der mit seiner Partei SVP bei den letzten Wahlen Stimmen hinzugewann ( Das schwarze Schaf (4)), vorerst von der Macht verdrängt. Er hat in seiner Abschiedsrede mit drohendem Unterton gesagt, dass das Parlament zwar Leute aus der Regierung, nicht aber aus der Politik verdrängen könne. Damit hat er klargemacht, dass er nun, der Verantwortung entbunden, noch mehr die populistische Karte ziehen wird. Deswegen sprechen manche Schweizer Medien auch von einem Pyrrhussieg der Blocher-Gegner. Blocher sei bislang durch sein Regierungsamt in die Macht eingebunden gewesen. Doch diese Argumentation erfährt auch viel Widerspruch. Schließlich hat Blocher vom Justizministerium aus die SVP weiterhin gelenkt. Die hat in dieser Zeit aber ihre Kampagnen gegen Flüchtlinge und Minderheiten nicht etwa gemäßigt, sondern noch verschärft. Erinnert sei an das international kritisierte (5) Wahlplakat, in dem ein Schwarzes Schaf aus dem Feld gekickt wird ( Die weißen und die schwarzen Schafe (6)). Der schwerreiche Industrielle war natürlich auch immer ein rechter Realpolitiker. Auch ein großer Teil seiner Anhänger will sie die Schweizer Gesellschaft weit nach rechts drängen. Die Rolle einer reinen Opposition reicht ihnen hier nicht. Die Partei, die von einer "enormen Sympathiewelle" spricht (7), spitzt allerdings die Rhetorik zu. So heißt es in einer Erklärung (8): --Der 13. Dezember ist ein schwarzer Tag für die direkte Demokratie der Schweiz: Mit diesem Beschluss haben CVP und linke Parteien fast einen Drittel der Bevölkerung von der Regierung ausgeschlossen. Dies bedeutet das Ende des schweizerischen Konkordanzsystems.-- Deswegen dürften sich die Widersprüche innerhalb der SVP zuspitzen. Schließlich gehört die jetzt gewählte Eveline Widmer-Schlumpf als Justizministerin ebenso wie der wieder gewählte SVP-Bundesrat Samuel Schmid (9) als Verteidigungsminister zum sogenannten moderaten SVP-Flügel. Populismus mit Volksabstimmungen Die Partei kann beide natürlich ausschließen und sich als patriotische Opposition gerieren. Das könnte ihr sogar kurzfristig Zustimmung bringen. Doch die spezifische SVP-Mischung aus Regierungsverantwortung gemischt mit populistischen Parolen hätte sie damit verloren. Allerdings hat sie mit dem in der Schweizer Verfassung verankerten Instrument der Volksabstimmungen ein Mittel in der Hand, mit dem sie die Regierung auch aus der Opposition unter Druck setzen kann. Blocher wies (10) heute auch gleich darauf hin, dass "die Macht in der Schweiz glücklicherweise nicht in erster Linie bei der Regierung" liege. Schon heute werden bestimmte Maßnahmen im Bereich der Migrationspolitik, aber auch der Kultur- oder Minderheitenpolitik von den Parteien gar nicht mehr angepackt, weil die Angst besteht, eine Volksabstimmung könnte sie dafür abstrafen. Die hier von zivilgesellschaftlichen Initiativen (11) hochgelobten Volksabstimmungen können auch mit einem Bezug auf das vermeintliche Volksempfinden eine minderheitenfeindliche Komponente bekommen. Auf dieser Klaviatur dürfte eine SVP ohne Macht demnächst noch mehr spielen. Es wird auch von der weiteren Politik der Blocher-Gegner abhängigen, ob die Abwahl des Populisten mehr als ein Pyrrhussieg ist. Das heterogene Bündnis eint nur die Ablehnung des Machtmenschen Blocher. Auf der politischen Ebene sind viele Blocher-Gegner nur im Ton, nicht aber im Inhalt moderater. Schließlich wurde die Politik der Abschottung, für die die Schweiz in den letzten Jahren bekannt wurde, nicht nur von einem Mann bestimmt. Die Konzentration der liberalen und linken Opposition auf Blocher hat allerdings auch die Erarbeitung grundlegender Alternativen erschwert. So könnte die Abwahl Blochers auch bei seinen Gegnern in zweifacher Hinsicht Erleichterung bringen. Ihr personifizierter Gegner ist erst einmal aus dem Machtzentrum verschwunden und es gibt wieder Raum für politische Debatten, die sich nicht nur an einer Person festmachen lassen.
LINKS
(1) http://www.svp.ch/ (2) http://www.blocher.ch/ (3) http://www.dfg.gr.ch/departement/vorsteherin.htm (4) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26458/1.html (5) http://news.independent.co.uk/europe/article2938940.ece (6) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26366/1.html (7) http://www.svp.ch/?page_id=3455 (8) http://www.svp.ch/?page_id=3454 (9) http://www.admin.ch/ch/d/cf/br/110.html (10) http://nzz.ch/nachrichten/schweiz/blochers_schwanengesang_vor_der_bundes hauspresse_1.598494.html (11) http://www.mehr-demokratie.de/ |