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ND24.04.07Keine Bildungsblockaden
Schüler und Gewerkschaften protestieren gegen Ausbildungssituation
Von Peter Nowak
Heute wollen Berliner Schüler statt in die Schule auf die Straße gehen. Zu Schulstreik und Demonstration mobilisiert ein Bündnis, das sich »Bildungsblockaden einreißen« nennt. Dort ist neben anderen Organisationen auch der sozialistische Jugendverband solid vertreten, der der Linkspartei nahe steht. Zu der Aktion mobilisieren Jugendliche aus verschiedenen Schulen.
Sie knüpfen damit an den Schulstreik vom 13. September 2006 an. Damals haben sich über 8000 Schüler an der Aktion beteiligt. Inzwischen hat zwar der Schulsenator gewechselt. Doch nach Ansicht der jungen Aktivisten hat sich an ihrer Schulsituation wenig geändert: Die Stichworte heißen Lehrermangel, ausgefallener Unterricht, überfüllte Klassen und das Bezahlen von Lehrmaterialien aus der eigenen Tasche.
Zu den Forderungen der Aktivisten gehören die Wiederherstellung der Lehrmittelfreiheit und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Auch die Ablehnung von Studiengebühren gehört zum Forderungskatalog. »Bildung muss von der Kindertagesstätte bis zur Universität kostenfrei bleiben, um Kinder aus ärmeren Verhältnissen nicht von vornherein zu benachteiligen«, meint Frederick aus Friedrichshain, der den Schülerstreik mit vorbereitet. Er erwartet noch mehr Teilnehmer als im September. »An den Schulen ist der Unmut groß darüber, dass die Politik nach dem ersten Streik schnell zur Tagesordnung übergegangen ist und sich nichts zum Besseren geändert hat«, meint der 16-Jährige. Die Demonstration beginnt um 11 Uhr vor dem Roten Rathaus, wo auch die Abschlusskundgebung stattfinden wird.
Um 12.30 Uhr startet dann dort die Workparade, die vom DGB, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Landesschülervertretung gemeinsam vorbereitet wird. Die Teilnehmer wollen das Recht auf eine Ausbildung einfordern. Für die Demo wurde von den Gewerkschaften an Gymnasien und auch gezielt an Haupt- und Realschulen geworben. »Nur jeder zweite Jugendliche bekommt nach dem Ende der allgemeinbildenden Schule eine Ausbildungsstelle«, begründet ein Gewerkschafter die Aktion. GEW-Vorstandsmitglied Dieter Haase erklärte, seine Organisation könne aus rechtlichen Gründen nicht zum Schülerstreik aufrufen. Er verfolge aber persönlich die Aktivitäten der Jugendlichen mit Sympathie. Haase erinnerte daran, dass schon im Jahr 2000 Großdemonstrationen gegen Kürzungen im Bildungsbereich mit Lehrern, Schülern und Eltern durchgeführt wurden.