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Blick nach Rechts 9/2007Warnung vor „No-Go-Area“
Rechtsextreme Übergriffe in Berlin-Lichtenberg.
In der Nacht zum 22. April wurden in einer S-Bahn im Berliner Stadtteil Lichtenberg drei Jugendliche angegriffen und erheblich verletzt. Nach Augenzeugenberichten schlugen sechs Vermummte aus der rechten Szene auf die jungen Leute ein, die als Nazigegner zu erkennen waren. An der Station Lichtenberg verließen die Angreifer die S-Bahn. Zuvor hatten sie noch Reizgas in das Abteil gesprüht. Die Jugendlichen mussten mit gebrochenen Nasen, Platzwunden am Kopf und Augenreizungen im Krankenhaus ambulant behandelt werden.
Die Gegend um den Bahnhof Lichtenberg im Berliner Osten hat in den letzten Monaten immer wieder durch rechtsextreme Übergriffe für Schlagzeilen gesorgt. Die „Süddeutsche Zeitung“ warnte im Mai 2006 gar vor einer „No-Go-Area Lichtenberg“. Kurz zuvor war das langjährige Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses Giyasettin Sayan von der Linkspartei ganz in der Nähe des Lichtenberger Bahnhofs von Rechten überfallen worden. Der Politiker musste im Krankenhaus stationär behandelt werden. Im November 2006 wurde der 18-jährige Bezirkspolitiker der Linkspartei Kirill Jermak am Bahnhof Lichtenberg von zwei jungen Männern mit einer Flasche attackiert, als er auf die Bahn wartete. Jermak ordnete die Täter der rechtsextremen Szene zu. Er sah in dem Überfall einen Einschüchterungsversuch, weil er wenige Tage zuvor als Anmelder einer antifaschistischen Demonstration in der Presse bekannt geworden war.
Auch die nichtdeutschen Händler um den Bahnhof Lichtenberg beklagen immer wieder Beleidigungen, Bedrohungen und Einschüchterungen durch Rechtsextremisten. So berichtete eine vietnamesische Blumenverkäuferin gegenüber der „Süddeutschen“, dass vier Männer aus der rechten Szene vor ihrem Laden mehrere Regale umgestürzt und dabei geschrieen hätten: „Heil Hitler, so machen wir das hier in Lichtenberg.“ Die Frau erklärte, dass sie die Männer, die in der Nähe wohnten, fast täglich auf der Straße sieht. Die Polizei habe sie aus Angst nicht eingeschaltet. Schließlich hätten ihr die Rechtsextremisten unverhohlen gedroht. „Willst du, dass wir den ganzen Laden ausräumen?“
Peter Nowak