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ND14.12.2007Wochenende der linken Literatur
Von Peter Nowak
Im Kulturzentrum K4 im Zentrum Nürnbergs wird an diesem Wochenende wieder mit einem großen Menschenandrang gerechnet. Schließlich beginnt am Freitag die 12. Linke Literaturmesse.
Zur Eröffnung präsentiert die Publizistin Jutta Ditfurth ihre vor Kurzem erschienene Ulrike Meinhof-Biografie. Bis Sonntag werden im Stundentakt Bücher vorgestellt. Dabei geht es nicht nur um politische Themen, betont Walter Bauer vom Nürnberger Literatur- und Kulturverein Libresso. Der Mitorganisator der ersten Stunde betont, dass man bewusst den Namen Literaturmesse gewählt hat, als in der Nachwendezeit linke Kulturinteressierte mit einem Büchermarkt im Jugendzentrum Komm in der Nürnberger Innenstadt begonnen haben.
Man hatte von Anfang an die Vorstellung, sämtliche Sparten des Büchermarkts, ausdrücklich auch Lyrik und Prosa einzubeziehen. Deshalb ist Bauer auch besonders stolz, dass in diesem Jahr auch politisch engagierte Romanautoren und Lyriker in Nürnberg ihre Werke vorstellen werden. So liest Raul Zelik aus seinen Roman »Der bewaffnete Feind«, Lothar Zieschke trägt »texte eines verspäteten 68ers« vor und erstmals wird mit Nicolas Roth auch ein Kinderbuchautor vertreten sein. Bauer betont, dass die Literaturmesse Autoren zusammenbringt, die ansonsten längst nicht mehr miteinander diskutieren und oft nicht mal mehr in denselben Medien publizieren würden.
Das Publikum scheint dieses Konzept anzusprechen. So sei in den letzten Jahren sowohl die Zahl der Autoren als auch der Zuhörer gewachsen. Man habe sogar neue Räume anmieten müssen, so Bauer. Dabei seien es aber längst nicht nur Altlinke, die nach Nürnberg kommen, betont er. Die Zahl der jüngeren Leute habe in den letzten Jahren sogar zugenommen.
Im Jahr 1991 fing der erste »linke Bücherbasar« klein an. »Wir hatten gerade mal zehn Büchertische zusammenbekommen«, erinnert sich Bauer. Ziel war der Verkauf von linker Literatur zu erschwinglichen Preisen an Menschen, die nicht zu den klassischen Besuchern von Literatursalons und Buchmessen zählen. Seitdem hat sich einiges geändert. Aus dem autonomen Komm wurde das Kulturzentrum K4 und aus dem kleinen Literaturbasar die linke Literaturmesse. Doch trotz der Erfolgsgeschichte will Bauer keine Bestandsgarantie für die Literaturmesse für mehr als ein Jahr im Voraus geben. Im nächsten Jahr wird es sie wohl auf jeden Fall noch mal geben, so der Organisator. Doch man müsse auch immer darauf achten, dass das Projekt nicht beliebig werde und sich dadurch totlaufe. Die anfangs erhoffte Ausbreitung der Literaturmesse in andere Städte hat nicht stattgefunden. Nur in Berlin organisiert seit einigen Jahren der Verbrecherverlag die Linken Buchtage.
www.linke-literaturmesse.org