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Blick nach RechtsAusgabe 25-26/2007Die NPD demonstriert für ein nationales Jugendzentrum in Berlin-Neukölln.
Der Berliner Landesverband der NPD spricht von der erfolgreichsten Aktion der Partei in diesem Jahr. Tatsächlich haben rund 550 Rechtsextremisten aus ganz Deutschland am 2. Dezember im Berliner Stadtteil Neukölln für ein nationales Jugendzentrum demonstriert. Das war die bisher höchste Teilnehmerzahl bei dem Aufmarsch, der in diesem Jahr zum fünften Mal stattfand. Doch erstmals hat die NPD dafür bundesweit mobilisiert und mit ihrem Vorsitzenden Udo Voigt als Redner die Bedeutung dieses Aufmarsches noch unterstrichen. Die regionalen NPD-Kader sorgten eher für Empörung. So forderte der NPD-Vertreter in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung Thomas Vierk eine „Entlausung des deutschen Volkes“ und beschimpfte die rund 600 Gegendemonstranten als „dumm“, „drogenabhängig“ und „verlaust“. Die Forderung nach einem nationalen Jugendzentrum begründete er damit, dass „Volksgemeinschaft schon in der Jugend beginnen“ müsse.
Das Projekt des nationalen Jugendzentrums sowie die alljährliche Demonstration ging ursprünglich von der Kameradschaftsstruktur aus, die unter den Namen „Kameradschaft Neukölln – Deutsche Gemeinschaft“ (DGS) und „Freie Nationalisten Rudow“ auftritt. Auch Mitglieder der verbotenen Neonazigruppen „Kameradschaft Tor“ und „Berliner Alternative Südost“ waren in der Vergangenheit aktiv. Durch die Verbote und weil mehrere Aktivisten der Kameradschaftsszene wegen diverser Straftaten zu teilweise längeren Gefängnisstrafen verurteilt wurden, begann die Annäherung an die NPD. Auch die beiden NPD-Bezirksverordneten von Neukölln, Jan Sturm und Thomas Vierk, haben gute Kontakte zur Kameradschaftsszene. Mit der Aktion am 2. Dezember hat sich diese Zusammenarbeit gefestigt. Da es bundesweit zwischen parteiunabhängigen Nationalisten und der NPD häufig Spannungen und Zerwürfnisse gibt, wird von Seiten der Partei die Aktion in Neukölln auch als großer Erfolg verkauft. Es steht zu befürchten, dass dies alljährlich wiederholt werden soll und so ein neuer ständiger Termin in der braunen Agenda geschaffen werden soll.
Peter Nowak