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Blick nach RechtsAusgabe 23/2006Virtueller Angriff
Mit Bits und Bytes gegen Nazigegner.
Seit Jahren mobilisieren rechtsextreme Kreise aus ganz Deutschland Mitte November zum Soldatenfriedhof nach Halbe, um die Wehrmacht zu verherrlichen. Ein breites Bündnis demokratischer Kräfte engagiert sich ebenfalls seit Jahren gegen die Aufmärsche. Dieses Mal wollen Neonazis auch im Internet demonstrieren. Unter dem Motto „Mit Bits und Bytes gegen die Diktatur der Heuchler“ rufen „Freie Netzkräfte“ dazu auf, am 18. November parallel zum Heldengedenken in Halbe die Homepage der Gegendemonstranten zu blockieren. Die Webseite soll durch massenhaften Zugriff zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr erreichbar sein.
Auf der Homepage http://www.tag-der-demokraten.de/ wird nicht nur über den aktuellen Stand der Gegenmobilisierung informiert. Es werden auch Informationen über die verschiedenen rechtsextremen Gruppierungen, die sich an der Verherrlichung der Wehrmacht beteiligen, zur Verfügung gestellt. Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung hat ein Glossar über die Grundlagen rechtsradikaler Ideologie zusammengestellt. Vor allem für junge Menschen bietet diese Seite eine gute Orientierungshilfe.
Für ihre Niederlage 2005 wollen die Rechtsextremisten offenbar Rache nehmen. In dem Aufruf heißt es: „Im vergangenen Jahr konnten die Heuchler von Recht und Freiheit unseren Gedenkmarsch blockieren, ihre bewaffneten Einheiten auf uns einschlagen und uns niedertreten, doch diesmal blockieren wir! Gegen unsere Netz-Demonstration helfen keine Gummiknüppel und keine Marionetten.“ Auch in diesem Jahr könnte den Rechtsextremisten der Aufmarsch verwehrt bleiben. Nach einer kürzlich von Brandenburg beschlossenen Änderung des Versammlungsgesetzes sollen Demonstrationen an Grabstätten generell verboten werden. So könnte der Aufruf zur virtuellen Demonstration ein rechtes Rückzugsgefecht sein. Ihr Ziel dürften sie trotzdem nicht erreichen. Wenn sich die Betreiber der angegriffenen Seite darauf vorbereiten, ist nach Meinung von Internet-Experten eine ernsthafte Beeinträchtigung durch viele Zugriffe eher unwahrscheinlich.
Peter Nowak