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ND28.07.06 Wie soll Solidarität klingen?
Basisinitiative will gewerkschaftliches Medienzentrum gründen
Von Peter Nowak
Im DGB wird viel über die Zukunft debattiert: Der Dachverband soll reformiert werden, die Entscheidungsfindung gestrafft. Nur über Medienarbeit gibt es wenig Debatten.
Wie klingt die Gewerkschaft? Doch oft eher nach einem Remix aus Volksmusik und traditionellem Arbeiterliedgut und bestenfalls einer Prise Springsteen oder Rolling Stones. Mit HipHop hingegen wird man sie selten in Verbindung bringen. Doch bei dem LaborB ist das anders. Auf der Internetseite des von zumeist jungen Gewerkschaftsmitgliedern unaufgefordert initiierten Projekts lassen sich Songs des Polit-Hip-Hoppers Holger Burner herunterladen. Der Hamburger Künstler singt häufig auf lokalen Gewerkschaftsveranstaltungen und genießt einen gewissen Ruf in der jüngeren Generation.
Das Projekt will Gewerkschaftsaktivisten mit den Möglichkeiten und Chancen des Medienaktivismus zusammenbringen. Selbst gestandene Gewerkschaftsfunktionäre müssen einräumen, dass die traditionellen Mittel gewerkschaftlicher Kommunikation im Internetzeitalter nicht mehr alle Interessenten ansprechen.
Die gewerkschaftliche Betriebszeitung oder das von der Betriebsgruppe verfasste Flugblatt erreichen die Kollegen in den Fabriken. Aber in einer Zeit, in der immer mehr Arbeitsplätze ausgelagert werden, in der Heimarbeit zunimmt, müssen sich die Gewerkschaften um neue Wege auch in der Medienarbeit bemühen.
Hier setzt LaborB an. In einem Selbstverständnistext sieht es sich als Schnittstelle zwischen Medienaktivismus und aktiver Gewerkschafts- und Betriebsarbeit. »Dabei knüpfen wir an die Erfahrungen kleiner selbstorganisierter Mediengruppen in anderen Ländern an«, meint der Berliner LaborB-Aktivist Oliver Schultz.
Schultz, Mitte dreißig, promovierter Philosoph und langjähriger Politaktivist, möchte daher mittelfristig ein »gewerkschaftliches Medienzentrum« aufbauen. Dass dieses bisher nur auf dem Papier steht, liege auch am mangelnden Interesse von Teilen der Gewerkschaften. Denen möchte die Initiative nicht zuletzt mit dem unabhängigen Arbeitswelt-Filmfestival »Globale« – das in Berlin begann und inzwischen einen Leipziger Ableger bekommen hat – praktisch zeigen, wie gewerkschaftliche Öffentlichkeitsarbeit auch die heute eher abwinkende Kultur- und Kreativszene erreichen kann.