[Index] [Nowak] [2006]

ND07.06.06 Fairer Handel bei Lidl?
Abkommen mit Transfair umstritten
Von Peter Nowak
Eine Kampagne der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und von Attac hat soziale Missstände bei Lidl aufgedeckt. Jetzt will der Discounter mit Produkten aus dem fairen Handel punkten.
Ab kommendem Montag sollen bei Lidl erstmals Produkte aus fairem Handel angeboten werden. Dabei geht es vor allem um Waren, die unter einigermaßen erträglichen Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt hergestellt werden. Kinderarbeit soll ebenso ausgeschlossen werden wie das Verbot von Gewerkschaften. Das sieht ein Abkommen zwischen Lidl und Transfair vor. Aufgabe des Vereins, dem 38 Mitglieder, darunter Misereor, Brot für die Welt, der BUND und der Weltladendachverband, angehören, ist die Vergabe eines Siegels für fair gehandelte Produkte. Transfair-Pressesprecherin Claudia Brück sieht in dem Abkommen einen großen Fortschritt: »Lidl hat die Potenz und den Willen, den fairen Handel mit anzuschieben.«
Die Aktion 3. Welt Saar hingegen sieht in der Kooperation vor allem eine Imagekampagne für Lidl. »Sie legitimieren die unsoziale, gewerkschaftsfeindliche und unökologische Politik von Lidl«, heißt es in einem Brief an die Mitgliedsverbände von Transfair. »Man kann sich nicht ernsthaft für bessere Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt einsetzen, wenn man vor der eigenen Haustür das Gegenteil macht«, erklärt Mitarbeiter Wolfgang Johann. Transfair-Mitarbeiterin Claudia Brück weist den Vorwurf zurück und erklärt, es sei ein besonderer Erfolg für den fairen Handel, wenn die Produkte in Mainstream-Handelsketten wie Lidl platziert würden. Es gebe in den Grundsätzen von Transfair keine besonderen Standards für die Händler. Sonst müsste man auch die Arbeitsbedingungen in 3. Welt-Laden kritisch beleuchten.
Diesen Vergleich will Roland Röder von der Aktion 3. Welt Saar nicht gelten lassen. »Es ist doch ein Unterschied, ob sich jemand in der Freizeit ehrenamtlich für den Handel mit 3.Welt-Produkten engagiert oder gezwungen ist, seine Arbeitskraft bei Lidl zu miesen Bedingungen zu verkaufen«, erklärte er gegenüber ND. Es sei fatal, dass sich zahlreiche Organisationen aus dem kirchlichen Bereich nicht öffentlich gegen die Kooperation mit Lidl positionieren. Gleiches gelte auch für die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.