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ND07.07.06 Öko, aber unsozial
Windenergieriese Enercon will IG Metall vermeiden
Von Peter Nowak
In einer Garage hat Aloys Wobben seinerzeit angefangen. Mittlerweile ist der »Bill Gates von Ostfriesland« Chef eines der weltweit führenden Windenergieanlagenherstellers mit mehr als 5000 Beschäftigten, der Firma Enercon. Eine Erfolgsgeschichte auf dem Gebiet der Zukunftstechnologien. Das sieht auch Clemens Bollen von der IG-Metall Leer/Papenburg so, die für den Auricher Stammsitz von Enercon zuständig ist. Gegenüber dem Greenpeace-Magazin erklärte Bollen, dass er als AKW-Gegner gerne mit Aloys Wobben an einem Strang ziehen würde. Doch da gibt es ein Problem.
Enercon-Chef Wobben ist auf Gewerkschaften nämlich nicht gut zu sprechen. »Bis heute hat dort Probleme, wer sich gewerkschaftlich organisiert – dabei ist diese Freiheit durch das Grundgesetz garantiert«, klagt Gewerkschafter Bollen. Ein Mitarbeiter der IG-Metall Leer/Papenburg bestätigt die Vorwürfe. Er sieht allerdings ein Dilemma. »Wir unterstützten die Förderung von erneuerbarer Energie und wollen dieser Branche nicht schaden«, sagt der Mann, der anonym bleiben möchte. Man sei weiterhin gesprächsbereit und hoffe auf Einsicht bei Wobben. Der, so der IG-Metall-Mann, sei schließlich mit dem linken SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer befreundet, dem Experten für erneuerbare Energie in der Sozialdemokratie. Dieser könne Wobben doch ins Gewissen reden.
Auch Ulrich Eckelmann, im IG-Metall-Vorstand für Wirtschaft, Technologie und Umwelt zuständig, würde gerne mit Wobben kooperieren. Schließlich könnten hier auch Arbeitsplätze entstehen: »Das könnte nach dem Prinzip laufen, wir machen für Euch was Gutes und ihr garantiert die Gewerkschaftsrechte in euren Betrieben«, sagt Eckelmann.
Doch bei Enercon stößt die Gewerkschaft auf taube Ohren – nicht nur in Deutschland. Auch türkische Gewerkschafter haben Streit mit der dortigen Enercon-Zweigstelle. Hasan Arslan von der türkischen Metallarbeitergewerkschaft Birlesik Metal-Is schildert die Situation: »Anfang Juni hat die Geschäftsführung neun befristet Beschäftigten gekündigt, weil sie sich geweitert haben, aus der Gewerkschaft auszutreten. Am 19. Juni wurden acht weitere Kollegen zum Austritt aufgefordert. Am 20. Juni hat die Geschäftsführung erklärt, dass sie alles dransetzen wird, dass die Gewerkschaft vom türkischen Ministerium für Arbeit keine Bestätigung bekommt.«