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Blick nach Rechts16/2006Braune Pilgerstätte
Waffen-SS-Denkmal im Garten.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde in Thüringen ein Denkmal der Waffen-SS errichtet. Es steht seit kurzer Zeit auf dem Privatgrundstück des Neonazis Thorsten Heise im Örtchen Fretterode. Das Denkmal des 1. Panzerkorps der Waffen-SS war 2004 von Unbekannten in Marienfels in Rheinland-Pfalz demontiert worden. Seit es dort im Jahr 1971 errichtet worden war, stand es immer wieder in der Kritik. Die verstärkte sich noch, nachdem das Denkmal zum Aufmarschort mehrerer rechtsextremer Demonstrationen wurde. Jetzt wird befürchtet, dass auch Thüringen eine neue rechte Pilgerstätte bekommen hat. Der vorbestrafte Heise, heute NPD-Bundesvorstandsmitglied, ist seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene aktiv. Vor drei Jahren wurden bei einer Durchsuchung von Heises Thüringer Domizil Waffen und rechte CDs sicher gestellt.
Er hatte im Herbst 2005 einen Vertrag mit dem Vorstand des „Kameradschaftsverbands der Soldaten des ersten Panzerkorps der ehemaligen Waffen-SS“ geschlossen, der den Transport und das Aufstellen des Denkmals regelte. Dort verpflichtet sich Heise auch, das Denkmal nicht für parteipolitische Zwecke, sondern nur für Gedenkfeiern der Veteranen zu nutzen. Damit soll wohl sichergestellt werden, dass es auch für den Teil der Rechten, die nicht gut auf die NPD zu sprechen sind, für ihre Aktionen genutzt werden kann. Der Verbandsvorsitzende und ehemalige Bankdirektor Claus Cordsen erklärte in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, dass „aus der Erinnerungsstätte für uns eine Gedenkstätte an uns werden“ soll.
Mittlerweile haben zivilgesellschaftliche Organisationen heftige Kritik an der passiven Haltung der kommunalen Behörden in Fretterode geübt. So habe es, nachdem der Vertragsabschluss zwischen Heise und dem Kameradschaftsverband bekannt geworden ist, keine kritische Stimme zu dem Vorhaben gegeben. Bürgermeister Uwe Wedekind wird in der Presse mit dem Statement zitiert, dass Heise im Ort so behandelt werde, „wie jemand, der von der Ostsee kommt und hier Urlaub macht“.
Peter Nowak