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ND31.03.06 Eher Rückwärts Linke Schweizer Wochenzeitung »Vorwärts« in politischen Turbulenzen Von Peter Nowak »Eignet Euch den Vorwärts an.« Unter diesem Motto stand ein bemerkenswertes Experiment einer kleinen linken Wochenzeitung aus der Schweiz. Ursprünglich war sie Organ der Partei der Arbeit (PdA), wie die Kommunistische Partei in der Schweiz hieß. Seit letzten Herbst versuchte ein junges Redaktionsteam die Öffnung vom Parteiorgan als Medium einer breiten Linken. »Die sozialistische Wochenzeitung versteht sich als Instrument einer antikapitalistischen Linken: Gegen Neoliberalismus, gegen Krieg, für eine gesellschaftliche Alternative, die der Emanzipation und der Befreiung des Menschen aus allen Verhältnissen dient, die ihn unterdrücken.« Doch der Aufruf ist Vergangenheit. »Die Trägerschaft des Vorwärts hat am 17. März 2006 auf der Generalversammlung der Verlagsgenossenschaft mit 3 zu 2 Stimmen entschieden, die von der Redaktion lancierte Kampagne zu stoppen«, heißt es auf der Vorwärts-Homepage, auf der die unterschiedlichen Positionen in der Auseinandersetzung dokumentiert sind. Die alte Redaktion wurde entlassen und wird zum 1. Mai das letzte Mal eine Abschiedsausgabe erstellen. Danach soll eine neue Redaktion ihre Arbeit aufnehmen und den Vorwärts wieder stärker an die PdA anbinden. »Die Zeitung macht keinen ökonomischen Sinn, sondern hat nur eine Daseinsberechtigung als Trägerin anderer denn ökonomischer Werte. Sie lebt, solange sie ein nützliches politisches Instrument für die PdA und die fortschrittliche Linke ist«, heißt es in dem Konzept »Vorwärts 2006«, das sich auf der Generalversammlung durchgesetzt hat. »Was sich auf jeden Fall nicht ändern soll, ist die inhaltliche Offenheit des Vorwärts für alle am sozialistischen Transformationsprozess beteiligten Kräfte«, beteuern die Unterstützer dieses Konzepts. Die Kritiker hingegen sehen »die Gefahr einer sektiererischen Rückbesinnung auf sich selbst« und befürchten große Schäden für ein linkes politisches Bündnis in der Schweiz. Auch innerhalb der PdA sorgen die Querelen um den Vorwärts für politischen Streit. PdA-Nationalrat Zisyadis reagiert mit Unverständnis »Ich bin vom Entscheid schockiert«, sagt er der linksliberalen »Wochenzeitung«. Schon haben Abonnenten gedroht, die Zeitung abzubestellen, wenn die Blattlinie geändert wird, was die finanzielle Lage des chronisch unterfinanzierten Vorwärts nicht verbessern dürfte. Durch die von der bisherigen Redaktion angestrebte Öffnung hin zu anderen linken und sozialen Bewegungen waren die Abozahlen in der letzten Zeit sogar ein wenig gestiegen. Auslöser des jüngsten Streits war der Konkurs der Druckerei Coopi in Genf, die den Vorwärts zu günstigen Konditionen produzierte. Daher ist es jetzt völlig offen, wie es mit der Zeitung weitergeht und ob es ihr gelingt, die wirtschaftliche und politische Krise zu überleben. Das entlassene Redaktionsteam will sich erst bei einem Treffen am 6. April entscheiden, ob es ein Nachfolgeprojekt zum »Vorwärts« starten soll. Das zurückbleibende Blatt unter Parteiaufsicht hat seine Richtung nach Meinung linker Beobachter bereits angedeutet: Eher rückwärts. |