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telepolis vom 20.01.2006Gezerre um Ausschuss geht weiter Peter Nowak Nach der Parlamentsdebatte wächst bei FDP und Grünen die Kritik an geplanten Untersuchungsausschuss Wer einen zerknirschten oder zumindest nachdenklichen Außenminister erwartet hatte, sah sich getäuscht. Frank-Walter Steinmeier übte sich bei der Bundestagsdebatte zum BND-Skandal am Freitag in Vorwärtsverteidigung. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass während der rot-grünen Bundesregierung trotz ihrer Gegnerschaft zum Irakkrieg, Bündnisverpflichtungen wie die Überflug-, Start- und Landerechte für die USA, der Schutz militärischer Objekte und die Bereitstellung logistischer Basen weiterhin gültig waren, sagte (1) der Außenminister. Er sparte in seinen Ausführungen nicht mit markigen Worten über die aktuelle Debatte: "Als politische Klasse haben wir uns insgesamt keinen Gefallen getan, indem wir uns mit zuviel Demut vor der Inszenierung eines politischen Skandals verneigt haben." Pflichtgemäß erklärte er, dass man etwaige Fehler natürlich aufklären wolle, um gleich kryptisch hinzuzufügen: "Wir müssen dabei aber das Selbstbewusstsein aufbringen, das eines Landes wie Deutschland würdig ist." Als er noch hinzufügte, dass sich die deutsche Politik nicht länger ihre Politik von anonymen Zeugen bestimmen lassen dürfe, ist sein Fingerzeig auf die USA deutlich. Ein Untersuchungsausschuss ( Streit um einen Ausschuss (2)) scheint für den Minister zumindest nicht zu einer selbstbewussten Politik zu gehören. Schließlich hat er die FDP und die Grünen explizit dazu aufgerufen, auf die Etablierung des Ausschusses zu verzichten. Steinmeier hat sich besonders an die Grünen gewandt und an sie appelliert, die gemeinsame Außenpolitik nicht zu verraten. Nun sollte der Untersuchungsausschuss eigentlich klären, ob diese Politik so überhaupt in der Praxis bestanden hat. Der Appell an das deutsche Selbstbewusstsein scheint bei den Adressaten schon angekommen zu sein. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, die sich auf ihrer Website (3) noch ausdrücklich zum Untersuchungsausschuss bekennt, hat schon eine Argumentationslinie entwickelt, wie die diese Position verlassen könnte, ohne allzu sehr das Gesicht zu verlieren. Allein die Forderung des Ausschusses habe schon Erfolge gezeigt, weil man dadurch mehr Informationen bekommen habe. Die Grünen kritisieren derweil die FDP, weil die vom Untersuchungsausschuss nicht nur über die Rolle der BND-Beamten in Bagdad Aufklärung begehrt. Sie will wie die Linkspartei auch die CIA-Flüge und die Verschleppung des deutschen Staatsbürgers Khaled al-Masri zum Untersuchungsgegenstand machen. Aber auch bei der FDP gibt es schon erste Stimmen, die zum Rückzug blasen. So erklärte der Außenpolitik-Experte der Partei, es sei ein Fehler gewesen, sich so früh auf den Ausschuss festgelegt zu haben. Lediglich die Linkspartei steht auch nach der Parlamentsdebatte ohne Wenn und Aber zum Ausschuss, den sie aber ohne die übrigen Oppositionsfraktionen nicht durchsetzen kann. So ist es am Wochenende eher unwahrscheinlicher geworden, dass es noch zur Bildung des Ausschusses kommt. Die Politiker wollen zunächst weitere Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden aller Parteien zur Irakaffäre am kommenden Montag abwarten. Wenn sie sich dann genügend informiert fühlen, ist der Ausschuss vor der Gründung gestorben. Auch die offenen Fragen, die über den Streit um das politische Prozedere ins Hintertreffen gerieten, dürften dann zumindest für die breite Öffentlichkeit zwar nicht geklärt aber doch abgehakt sein.
LINKS
(1) http://www.bundesregierung.de/-,413.949516/artikel/Keine-operative-Hilfe -im-Irak-.htm (2) http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21828/1.html (3) http://www.renate-kuenast.de/ |