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ND09.06.06 Litfaßsäule Universität
Von Peter Nowak                                                                                                                                                                                                  Kein Zweifel, die Werbeindustrie hat die Studierenden als Zielgruppe entdeckt. Firmen mit Namen wie Campus-Service werben im Internet damit, dass sie die Studenten effektiv und zielgenau erreichen. Doch nicht alle Kommilitonen sind über einen solchen Service begeistert. Zu den Kritikern gehört Björn Kietzmann. »Seit es Mitte der 1990er Jahre in Deutschland nicht mehr gesetzlich verboten ist, an Hochschulen für kommerzielle Produkte zu werben, hat sich das Erscheinungsbild vieler Unis und Fachhochschulen deutlich gewandelt. In den Fluren und Gängen hängen Hochglanz-Werbeplakate«, meint der Hochschulreferent des AStA der Freien Universität Berlin. Die Kritik des FU-AStA ist berechtigt: Werbung hat in einer Bildungseinrichtung nichts zu suchen!
Das sehen zum Glück immer mehr Studenten so. In Freiburg wurden im Rahmen eines Aktionstages Werbeflächen künstlerisch verhüllt. Auch die Trierer Juso-Hochschulgruppe sieht die Freiheit von Forschung und Lehre durch die Uniwerbung gefährdet.
Der Widerstand der Studierenden gegen die Werbung ist nicht nur ästhetischen Aspekten geschuldet. Es geht ihnen auch um Fragen der Demokratie am Campus. »Die früher zahlreich vorhandenen freien Aushangflächen für Nebenjobs, Wohnungen, Mitfahrbörsen und unkommerzielle Kulturangebote mussten den Werbeflächen weichen«, so Björn Kietzmann.
Noch bedenklicher ist allerdings, dass Studierende, die Flugblätter für soziale oder politische Anliegen auf dem Campus verteilen wollen, von den Werbefirmen gehindert und reglementiert werden. An der Freien Universität Berlin sollen sie vom Campus-Service eine Erlaubnis einholen. In Marburg ist es inzwischen gängige Praxis, dass Menschen die Flugblätter in der Mensa auslegen von Angestellten der Firma CAMPUSdirekt, die dort für die Werbung zuständig ist, fotografiert werden.